lichen des Seins. Sie bildet das Eigenste seiner Menschlichkeit. Denn erst auf dem Grunde einer Zugehörigkeit zum Sein kann der Mensch das Sein vernehmen. Nur im Blick auf sie läßt sich sagen, was Vernunft heißt, inwiefern diese als Auszeichnung des Menschen vorgestellt werden kann. Eine frühere Schrift (Was ist Metaphysik? 1929) kennzeichnet den Sachverhalt, daß der Mensch dem Anspruch des Seins entspricht und dadurch seiner jeweiligen Offenbarkeit eine Stätte des Bewahrens bereithält, durch das Wort: Der Mensch ist »der Platzhalter des Nichts« [GA Bd. 9 Wegmarken, S. 118]. Der schon 1930 ins Japanische übersetzte Vortrag wurde in Ihrem Land sogleich verstanden, im Unterschied zu der noch heute in Europa umlaufenden nihilistischen Mißdeutung des angeführten Wortes. Das hier genannte Nichts meint jenes, was im Hinblick auf das Seiende niemals etwas Seiendes, somit das Nichts »ist«, was aber gleichwohl das Seiende als ein solches bestimmt und daher das Sein genannt wird. Der Mensch: »der Platzhalter des Nichts« und der Mensch: »der Hirt (nicht der Herr) des Seins« (Brief über den Humanismus 1947 [GA Bd. 9, S. 342]) sagen das Selbe. Indes sprechen diese Wendungen noch eine unzureichende Sprache. Allein im vorliegenden Brief kommt es einzig darauf an zu erkennen: Gerade der Blick auf das Walten des Stellens, d. h. auf das Eigentümliche der Technisierung der Welt, weist einen Weg zum Eigenen des Menschen, das seine Menschlichkeit auszeichnet im Sinne der Beanspruchung durch das Sein für dieses. Der Mensch ist der von der Macht des Stellens für dieses Gebrauchte. Seine Eigenheit beruht darin, daß er nicht sich selbst gehört. Folgen wir dem Einblick, der uns zeigt, was in der technisierten Welt waltet, dann gewährt er die Möglichkeit einer entscheidenden Erfahrung. Die Macht des Stellens birgt, hinreichend bedacht, das Versprechen in sich, daß der Mensch in das Eigene seiner Bestimmung gelangen kann, wenn er sich für einen langmütigen Aufenthalt in der fragwürdigsten aller Fragen bereit hält. Diese denkt dem nach, worin sich das Eigentümliche dessen verbirgt, was das abendländisch-europäische Denken bisher unter dem Namen »Sein« vorstellen mußte.