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Die Sprache im Gedicht

notwendig Finsternis. In einer anderen Dichtung (139) wird die Nacht mit den Worten angerufen:


O, das sanfte Zyanenbündel der Nacht.


Ein Bündel von Kornblumen ist die Nacht, ein sanftes. Demgemäß heißt das blaue Wild auch das »scheue Wild« (104), das »sanfte Tier« (97). Das Bündel aus Bläue versammelt im Grunde seines Gebindes die Tiefe des Heiligen. Aus der Bläue leuchtet, aber zugleich durch ihr eigenes Dunkel sich verhüllend, das Heilige. Dieses verhält, während es sich entzieht. Es verschenkt seine Ankunft, indem es sich in den verhaltenden Entzug verwahrt. Die ins Dunkel geborgene Helle ist die Bläue. Hell, d. h. hallend, ist ursprünglich der Ton, der aus dem Bergenden der Stille ruft und also sich lichtet. Die Bläue hallt in ihrer Helle, indem sie läutet. In ihrer hallenden Helle leuchtet das Dunkel der Bläue.

Die Schritte des Fremdlings läuten durch das silbern Glänzende-Klingende der Nacht. Eine andere Dichtung (104) singt:


Und in heiliger Bläue läuten leuchtende Schritte fort.


Anderswo (110) heißt es von der Bläue:


. . . das Heilige blauer Blumen . . . rührt den Schauenden.


Eine andere Dichtung sagt (85):


. . . Ein Tiergesicht

Erstarrt vor Bläue, ihrer Heiligkeit.


Das Blau ist kein Bild für den Sinn des Heiligen. Die Bläue selber ist ob ihrer versammelnden, in der Verhüllung erst scheinenden Tiefe das Heilige. Angesichts der Bläue und zugleich durch lauter Bläue zum Ansichhalten gebracht, erstarrt das Tiergesicht und wandelt sich in das Antlitz des Wilds.