Doch was ist der Geist? Trakl spricht in seiner letzten Dichtung »Grodek« von der »heißen Flamme des Geistes« (201). Der Geist ist das Flammende und erst als dieses vielleicht ein Wehendes. Trakl versteht den Geist nicht zuerst als Pneuma, nicht spirituell, sondern als Flamme, die entflammt, aufjagt, entsetzt, außer Fassung bringt. Das Flammen ist das erglühende Leuchten. Das Flammende ist das Außer-sich, das lichtet und erglänzen läßt, das indessen auch weiterfressen und alles in das Weiße der Asche verzehren kann.
»Flamme ist des Bleichsten Bruder«, heißt es in der Dichtung »Verwandlung des Bösen« (129). Trakl schaut den »Geist« aus jenem Wesen, das in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes »Geist« genannt wird; denn gheis besagt: aufgebracht, entsetzt, außer sich sein.
Der so verstandene Geist west in der Möglichkeit des Sanften und des Zerstörerischen. Das Sanfte schlägt jenes Außer-sich des Entflammenden keineswegs nieder, sondern hält es in der Ruhe des Freundlichen versammelt. Das Zerstörerische kommt aus dem Zügellosen, das sich im eigenen Aufruhr verzehrt und so das Bösartige betreibt. Das Böse ist stets das Böse eines Geistes. Das Böse und seine Bosheit ist nicht das Sinnliche, Stoffliche. Es ist auch nicht bloß »geistiger« Natur. Das Böse ist geistlich als der in die Verblendung weglodernde Aufruhr des Entsetzenden, das in das Ungesammelte des Unheilen versetzt und das gesammelte Erblühen des Sanften zu versengen droht.
Doch wo ruht das Sammelnde des Sanften? Welches sind seine Zügel? Welcher Geist hält sie? Wie ist und wird das Menschen wesen »geistlich«?
Insofern das Wesen des Geistes im Entflammen beruht, bricht er Bahn, lichtet diese und bringt auf den Weg. Als Flamme ist der Geist der Sturm, der »den Himmel stürmt« und »Gott erjagt« (187). Der Geist jagt die Seele in das Unterwegs, wo sich ein Vorauswandern begibt. Der Geist versetzt in das Fremde. »Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden.« Der Geist ist es, der mit Seele beschenkt. Er ist der Beseeler. Aber die