114
Aus einem Gespräch von der Sprache

Sie uns die Rollen vertauschen, indem ich das Antworten übernehme, und zwar hinsichtlich Ihrer Frage, die das Hermeneutische betrifft.

J Wir gelangen so auf den zuerst eingeschlagenen Weg unseres Gespräches zurück.

F Wo wir mit der Erläuterung des Hermeneutischen nicht allzu weit gediehen sind. Ich erzählte Ihnen mehr nur Ge-schichten, die zeigten, wie ich zur Verwendung des Namens gelangte.

J Ich stellte dagegen fest, daß Sie jetzt den Namen nicht mehr gebrauchen.

F Schließlich betonte ich, das Hermeneutische meine, als Bei-wort zu »Phänomenologie« gebraucht, nicht wie üblich die Methodenlehre des Auslegens, sondern dieses selbst.

J Dann verlor sich unser Gespräch ins Unbestimmte.

F Zum Glück.

J Gleichwohl danke ich Ihnen, daß Sie noch einmal auf die Hermeneutik zurückkommen.

F Dabei möchte ich etymologisch an das Wort anknüpfen; Sie sehen daraus, daß meine Verwendung des Wortes nicht [121] willkürlich, aber zugleich geeignet war, meinen Versuch mit der Phänomenologie in seiner Absicht zu verdeutlichen.

J Um so mehr wundere ich mich dann, daß Sie inzwischen beide Titel fallen ließen.

F Es geschah nicht, wie viele meinen, um die Bedeutung der Phänomenologie zu verleugnen, sondern um meinen Denk-weg im Namenlosen zu lassen.

GA 12

Martin Heidegger (GA 12) Unterwegs zur Sprache