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Aus einem Gespräch, von der Sprache

J Warum heben Sie auf diesen ursprünglichen Sinn des έρμηνεύειν ab?

F Weil dieser mich bewog, mit seiner Hilfe das phänomenologische Denken zu kennzeichnen, das mir den Weg zu »Sein und Zeit« öffnete. Es galt und gilt noch, das Sein des Seienden zum Vorschein zu bringen; freilich nicht mehr nach der Art der Metaphysik, sondern so, daß das Sein selbst zum Scheinen kommt. Sein selbst — dies sagt: Anwesen des Anwesenden, d. h. die Zwiefalt beider aus ihrer Einfalt. Sie ist es, die den Menschen zu ihrem Wesen in den Anspruch nimmt.

J Der Mensch west demnach als Mensch, insofern er dem Zuspruch der Zwiefalt entspricht und sie so in ihrer Botschaft bekundet.

F Das Vorwaltende und Tragende in dem Bezug des Menschenwesens zur Zwiefalt ist demnach die Sprache. Sie bestimmt den hermeneutischen Bezug.

J [123] Wenn ich Sie also nach dem Hermeneutischen frage, und wenn Sie mich nach unserem Wort für das fragen, was bei Ihnen Sprache heißt, dann fragen wir einander das Selbe.

F Offenbar; darum dürfen wir dem verborgenen Zug unseres Gespräches ruhig vertrauen . . .

J solange wir Fragende bleiben.

F Sie meinen damit nicht, daß wir uns gegenseitig voller Neugier aushorchen, sondern . . .

J das, was gesagt sein möchte, immer weiter ins Offene entlassen.


Martin Heidegger (GA 12) Unterwegs zur Sprache

A Dialogue on Language - On the Way to Language p. 28