καί ώφθησαν αύτοΐς διαμεριζόμεναι γλώσσαι ώς εί πυρός . . . καί ήρξαντο λαλεΐν ετέραις γλώσσαις.
Die Vulgata übersetzt: Et apparuerunt illis dispertitae linguae tamquam ignis ... et coeperunt loqui variis linguis. Luther übersetzt: »Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt, wie von Feuer . . . und sie fingen an, zu predigen mit anderen Zungen.« Gleichwohl ist dieses Reden nicht als bloße Zungenfertigkeit gemeint, sondern vom πνεΰμα αγιον, vom heiligen Hauch erfüllt. Der hier genannten biblischen Vorstellung von der Sprache geht schon jene griechische Kennzeichnung des Sprachwesens vorauf, die Aristoteles in die maßgebende Umgrenzung bringt. Der λόγος, das Aussagen, wird im Ausgang von der lautlichen Erscheinung des Sprechens vorgestellt. Aristoteles sagt im Beginn einer Abhandlung, die später den Titel erhielt περί έρμηνείας, de interpretatione, Über das Aussagen, folgendes:
»Es ist nun das, was in der stimmlichen Verlautbarung vorkommt (die Laute), Zeichen von dem, was in der Seele an Erleidnissen vorkommt, und das Geschriebene (ist) Zeichen der stimmlichen Laute. Und so wie die Schrift nicht bei allen die [204] nämliche ist, so sind auch die stimmlichen Laute nicht die nämlichen. Wovon aber diese (Laute und Schriftzeichen) erstlich Zeichen sind, das sind bei allen die nämlichen Erleidnisse der Seele, und die Dinge, wovon diese (die Erleidnisse) die angleichenden Darstellungen bilden, sind gleichfalls die nämlichen.«
Die angeführten Sätze des Aristoteles bilden die klassische Stelle, aus der das Baugerüst sichtbar wird, in das die Sprache als stimmliche Verlautbarung gehört: Die Buchstaben sind Zeichen der Laute, die Laute sind Zeichen der Erleidnisse in der Seele, diese sind Zeichen der Dinge. Die Verstrebungen des Baugerüstes werden durch die Zeichenbeziehung gebildet. Wir verfahren allerdings zu grob, wenn wir ohne nähere Bestimmung überall von Zeichen sprechen, von etwas, das ein anderes bezeichnet und in gewisser Weise zeigt. Aristoteles gebraucht