Man ist versucht, die Schlußzeile in eine Aussage umzuformen des Inhaltes: Kein Ding ist, wo das Wort gebricht. Wo etwas gebricht, besteht ein Bruch, ein Abbruch. Einer Sache Abbruch tun heißt: ihr etwas entziehen, es an etwas fehlen lassen. Es gebricht, bedeutet: es fehlt. Wo das Wort fehlt, ist kein Ding. Das verfügbare Wort erst verleiht dem Ding das Sein.
Was ist das Wort, daß es solches vermag?
Was ist das Ding, daß es des Wortes bedarf, um zu sein?
Was heißt hier Sein, daß es wie eine Verleihung erscheint, die dem Ding aus dem Wort zugeeignet wird?
Fragen über Fragen, die beim ersten Hören und Lesen des Gedichtes nicht sogleich an unser Nachdenken rühren. Wir sind viel eher verzaubert durch die ersten sechs Strophen; denn sie erzählen eigentümlich verschleierte Erfahrungen des Dichters. Bedrängender freilich spricht die Schlußstrophe. Sie drängt uns in die Unruhe des Nachdenkens. Aus ihr erst hören wir, was der Überschrift gemäß das ganze Gedicht in seinem dichterischen Sinn hat: das Wort.
Gibt es Erregenderes und Gefährlicheres für den Dichter als das Verhältnis zum Wort? Kaum. Wird dieses Verhältnis erst durch den Dichter geschaffen, oder braucht das Wort von sich her und für sich das Dichten, so daß allein durch diesen Brauch der Dichter zu dem wird, der er sein kann? Dies alles und anderes noch gibt zu denken und macht uns nachdenklich. Gleichwohl zögern wir, auf solches Nachdenken einzugehen. Denn es stützt sich jetzt nur auf einen einzigen Vers des ganzen Gedichtes. [222] Diesen Schlußvers haben wir zudem noch in eine Aussage umgeändert. Allerdings geschah dieser Eingriff nicht aus bloßer Willkür. Wir werden vielmehr zu der Umformung fast genötigt, sobald wir bemerken, daß der erste Vers der Schlußstrophe mit einem Doppelpunkt endet. Dieser weckt die Erwartung, im folgenden sei etwas ausgesagt. Solches ist denn auch der Fall in der fünften Strophe. Am Ende ihres ersten Verses steht gleichfalls ein Doppelpunkt: