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Der Weg zur Sprache

des Menschen zugeschrieben werden muß. Jetzt spricht der Titel von Humboldts Abhandlung im Hinblick auf dessen Weg zur Sprache deutlicher.

Humboldt handelt »Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaues« und über sie, insofern »die geistige Entwicklung des Menschengeschlechts« unter »ihrem Einfluß« steht. Humboldt bringt die Sprache als eine Art und Form der durch sie in der menschlichen Subjektivität ausgearbeiteten Weltansicht zur Sprache.

Zu welcher Sprache? Zu einer Folge von Aussagen, die in der Sprache der Metaphysik seines Zeitalters sprechen, bei welcher Sprache die Philosophie von Leibniz ein maßgebendes Wort mitspricht. Es bekundet sich am deutlichsten dadurch, daß Humboldt das Wesen der Sprache als Energeia bestimmt, diese jedoch ganz ungriechisch im Sinne von Leibnizens Monadologie als die Tätigkeita des Subjektes versteht. Humboldts Weg zur Sprache nimmt die Richtung auf den Menschen, führt durch die Sprache hindurch auf anderes: das Ergründen und Darstellen der geistigen Entwicklung des Menschengeschlechtes.

Das aus solcher Hinsicht begriffene Wesen der Sprache zeigt indes nicht auch schon das Sprachwesen: Die Weise, nach der die Sprache als die Sprache west, d. h. währt, d. h. in dem ver250 sammelt bleibt, was die Sprache in ihr Eigenes als die Sprache zu ihr selbst gewährt.b


II


Sinnen wir der Sprache als der Sprache nach, dann haben wir das bislang übliche Vorgehen einer Sprachbetrachtung aufgegeben. Wir können uns nicht mehr nach allgemeinen Vorstellungen - wie Energie, Tätigkeit, Arbeit, Geisteskraft, Weltansicht, Ausdruck — umsehen, in denen wir die Sprache als


a Kraft - vis primitiva activa

b das Eigentümliche der Sprache