Sprechen wird herausgefordert, der Bestellbarkeit des Anwesenden nach jeder Richtung zu entsprechen.
Das so gestellte Sprechen wird zur Information1. Sie informiert sich über sich selbst, um ihr eigenes Vorgehen durch Informationstheorien sicherzustellen. Das Ge-Stell, das überallhin waltende Wesen der modernen Technik, bestellt {421} sich die formalisierte Sprache, jene Art der Benachrichtigung, kraft deren der Mensch in das technisch-rechnende Wesen eingeformt, d. h. eingerichtet wird und schrittweise die »natürliche Sprache« preisgibt. Auch dort, wo die Informationstheorie zugestehen muß, daß die formalisierte Sprache immer wieder auf die »natürliche Sprache« zurückverwiesen werde, um durch die nicht formalisierte Sprache die Sage des technischen Bestandes zur Sprache zu bringen, bezeichnet dieser Umstand für die gängige Selbstauslegung der Informationstheorie nur ein vorläufiges Stadium. Denn die »natürliche Sprache«, von der hierbei die Rede sein muß, wird im voraus als die noch nicht formalisierte, jedoch als in die Formalisierung bestellte Sprache angesetzt. Die Formalisierung, die rechnerische Bestellbarkeit des Sagens, ist das Ziel und die Maßgabe. Das im Willen zur [264] Formalisierung gleichsam notgedrungen und vorerst noch zugestandene »Natürliche« der Sprache wird nicht im Hinblick auf die anfängliche Natur der Sprache erfahren. Diese Natur ist die φύσις, die ihrerseits im Ereignis beruht, aus dem die Sage in ihr Regsames aufgeht. Die Informationstheorie begreift das Natürliche als den Mangel an Formalisierung.
Doch selbst dann, wenn auf einem langen Weg eingesehen werden könnte, daß sich das Sprachwesen niemals in den Formalismus auflösen und verrechnen läßt und wir dementsprechend sagen müssen, die »natürliche Sprache« sei die nicht formalisierbare Sprache, selbst dann wird die »natürliche Sprache« immer noch nur negativ bestimmt, d. h. gegen die Möglichkeit oder Unmöglichkeit der Formalisierung abgesetzt.
1 Vgl. Identität und Differenz. 1957, S. 27. Hebel - der Hausfreund. 1957, S. 34 ff.