VOM GEHEIMNIS DES GLOCKENTURMS
In der Frühe des Weihnachtsmorgens gegen halb vier Uhr kamen die Läuterbuben ins Mesmerhaus. Dort hatte ihnen die Mesmermutter den Tisch mit Milchkaffee und Kuchen gedeckt. Er stand neben dem Christbaum, dessen Duft von Tannen und Lichtern noch vom HL Abend her in der warmen Stube lag. Seit Wochen, wenn nicht das ganze Jahr, freuten sich die Läuterbuben auf diese Stunde im Mesmerhaus. Worin mag sich ihr Zauber verborgen haben? Gewiß nicht in dem, was den so früh aus der Winternacht in die Stube gekommenen Buben »schmeckte«. Manche von ihnen durften Besseres daheim erwarten. Aber es war das Wundersame des Hauses, des ungewöhnlichen Augenblicks, die Erwartung des Läutens und des Festtages selbst. Die Erregung begann noch im Mesmerhaus selbst, wenn die gesättigten Buben dort im Hausgang die Laternen anzündeten. Sie waren durch die Reste der Altarkerzen erleuchtet, die der Mesmer für diese Zwecke in der Sakristei sammelte in einer Lade, aus der wir Mesmerbuben uns selbst die »Kerzen« für unseren Altar holten, an dem wir zum ernsten Spiel » die Messe lasen«.
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