Zeit und Sein                  9
        Wir sagen nicht: Sein ist, Zeit ist, sondern: Es gibt Sein und 
        es gibt Zeit- Zunächst haben wir durch diese Wendung nur den 
        Sprachgebrauch geändert. Statt »es ist«, sagen wir »es gibt«.
        Um über den sprachlichen Ausdruck zurück zur Sache zu gelangen, 
        müssen wir erweisen, wie sich dieses »Es gibt« erfahren und 
        erblicken läßt. Der geeignete Weg dahin ist der, daß wir erörtern, 
        was im »Es gibt« gegeben wird, was »Sein« besagt, das — Es gibt; 
        was »Zeit« besagt, die — Es gibt. Dementsprechend versuchen wir, 
        auf das Es vorzublicken, das Sein und Zeit — gibt. Also vorblickend 
        werden wir noch in einem anderen Sinne vor-sichtig. Wir versuchen, 
        das Es und sein Geben in die Sicht zu bringen und schreiben 
        das »Es« groß.
        Wir denken zuerst dem Sein nach, um es selbst in sein Eigenes 
        zu denken.
        Wir denken sodann der Zeit nach, um sie selbst in ihr Eigenes 
        zu denken.
        Dadurch muß sich die Weise zeigen, wie es Sein, wie es Zeit gibt. 
        In diesem Geben wird ersichtlich, wie jenes Geben zu bestimmen 
        sei, das als Verhältnis erst beide zueinander hält und sie er-gibt.
        Sein, dadurch jegliches Seiende als ein solches gezeichnet ist, 
        Sein besagt Anwesen. Im Hinblick auf das Anwesende gedacht, 
        zeigt sich Anwesen als Anwesenlassen. Nun aber gilt es, dieses 
        Anwesenlassen eigens zu denken, insofern Anwesen zugelassen 
        wird. Anwesenlassen zeigt darin sein Eigenes, daß es ins 
        Unverborgene bringt. Anwesen lassen heißt: Entbergen, ins Offene 
        bringen. Im Entbergen spielt ein Geben, jenes nämlich, das im 
        Anwesen-lassen das Anwesen, d.h. Sein gibt.
        (Die Sache »Sein«, sie eigens denken, dies verlangt, daß unser 
        Nachsinnen der im Anwesenlassen sich zeigenden Weisung folgt. 
        Sie erweist im Anwesenlassen das Entbergen. Aus diesem aber 
        spricht ein Geben, ein Es gibt.)
        
        Indes bleibt für uns das jetzt genannte Geben noch ebenso dun-kel wie das hier genannte Es, das gibt.
        
        Das Sein, es selbst eigens denken, verlangt, vom Sein abzusehen, 
        sofern es wie in aller Metaphysik nur aus dem Seienden her und