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Zeit und Sein

die nähernde Nähe bestimmten dreifachen Reichens, ist die vor-räumliche Ortschaft, durch die es erst ein mögliches Wo gibt.

Zwar hat die Philosophie seit ihrem Beginn, wann immer sie der Zeit nachdachte, auch gefragt, wohin sie gehöre. Dabei hatte man vornehmlich die als Ablauf des Nacheinander der Jetztfolge gerechnete Zeit im Blick. Man erklärte, daß es die gezählte Zeit, mit der wir rechnen, nicht geben könne ohne die ψυχή, nicht ohne den animus, nicht ohne die Seele, nicht ohne das Bewußtsein, nicht ohne den Geist. Zeit gibt es nicht ohne den Menschen. Doch was meint dieses »nicht ohne«? Ist der Mensch der Geber der Zeit oder ihr Empfänger? Und wenn er dieser ist, wie empfängt der Mensch die Zeit? Ist der Mensch zunächst Mensch, um dann gelegentlich, d. h. zu irgend einer Zeit, die Zeit in Empfang zu nehmen und die Beziehung zu ihr aufzunehmen? Die eigentliche'(7) Zeit ist die ihr dreifältig lichtendes Reichen einigende(8) Nähe von Anwesen aus Gegenwart, Gewesenheit und Zukunft. Sie hat den Menschen als solchen schon so erreicht, daß er nur Mensch sein kann, indem er innesteht im dreifachen Reichen und aussteht die es bestimmende verweigernd-vorenthaltende Nähe. Die Zeit ist kein Gemächte des Menschen, der Mensch ist kein Gemächte der Zeit. Es gibt hier kein Machen. Es gibt nur das Geben im Sinne des genannten, den Zeit-Raum lichtenden Reichens.

Doch einmal zugestanden, die Weise des Gebens, darin es die


(7) »eigentlich« = zu Ereignis gehörend

von der ekstatischen

Zeitlichkeit des Da-seins

zur eigentlichen

Zum Eigenen der Zeit

S. 19-

von—zu

darin verbirgt sich der Brauch, der »den Menschen erreicht«

Die Lichtung und das Offene

Dimension — das lichtende Reichen

das reichende Lichten

(8)einigen

= nähern \ „ . _

Ortschaft

entfernen /


Martin Heidegger (GA 14) Zur Sache des Denkens

GA 14