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Erster Teil

im Sinne von Vorkommnis und Geschehnis — nicht aus dem Eignen als dem lichtend verwahrenden Reichen und Schicken.

So hörte man neulich verkünden, die innerhalb der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft erzielte Einigung sei ein europäisches Ereignis von welthistorischer Bedeutung. Fällt nun im Zusammenhang einer Erörterung des Seins das Wort »Ereignis« und hört man dieses Wort nur nach der geläufigen Bedeutung, dann drängt es sich förmlich auf, vom Ereignis des Seins zu reden. Denn ohne das Sein vermag kein Seiendes als ein solches zu sein. Demgemäß kann das Sein für das höchste, für das allerbedeutsamste Ereignis ausgegeben werden.

Allein die einzige Absicht dieses Vortrages geht dahin, das Sein selbst als das Ereignis in den Blick zu bringen. Nur sagt das mit dem Wort »das Ereignis« Genannte ganz anderes. Dementsprechend ist auch das unscheinbare und stets verfängliche, weil mehrdeutige »als« zu denken. Gesetzt, wir lassen für die Erörterung von Sein und Zeit die gewöhnliche Bedeutung des Wortes »Ereignis« fahren und folgen statt dessen dem im Schicken von Anwesenheit und lichtenden Reichen des Zeit-Raumes sich andeutenden Sinn, dann bleibt auch so noch die Rede vom »Sein als Ereignis« unbestimmt.

»Sein als das Ereignis« — Früher dachte die Philosophie vom Seienden her Sein als ἰδέα, als ἐνέργεια, als actualitas, als Wille und jetzt — könnte man denken — als Ereignis. So verstanden, meint Ereignis eine abgewandelte Auslegung des Seins, die, falls sie zu Recht besteht, eine Fortführung der Metaphysik darstellt. Das »als« bedeutet in diesem Falle: Ereignis als eine Art des Seins, untergeordnet dem Sein, das den festgehaltenen Leitbegriff bildet. Denken wir jedoch, wie es versucht wurde, Sein im Sinne von Anwesen und Anwesenlassen, die es im Geschick gibt, das seinerseits im lichtend-verbergenden Reichen der eigentlichen Zeit beruht, dann gehört das Sein in das Ereignen. Aus diesem empfangen das Geben und dessen Gabe ihre Bestimmung. Dann wäre das Sein eine Art des Ereignisses und nicht das Ereignis eine Art des Seins.