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Erster Teil

dem Verfahren der Philosophie, durch das erst die Sache selbst zur ausweisbaren Gegebenheit kommt. Für Husserl ist »das Prinzip aller Prinzipien« in erster Linie kein inhaltliches, sondern ein solches der Methode. Husserl hat in seinem 1915 erschienenen Werk »Ideen zu einer reinen Phänomenologie und phänomenologischen Philosophie« der Bestimmung »des Prinzips aller Prinzipien« einen eigenen Paragraphen (§ 24) gewidmet. An diesem Prinzip, sagt Husserl (a.a.O. S. 44), »kann uns keine erdenkliche Theorie irre machen.«

»Das Prinzip aller Prinzipien« lautet:

»jede originäre gebende Anschauung (ist) eine Rechtsquelle der Erkenntnis, alles, was sich uns in der ›Intuition‹ originär (sozusagen in seiner leibhaften Wirklichkeit) darbietet, (ist) einfach hinzunehmen, als was es sich gibt, aber auch nur in den Schranken, in denen es sich da gibt... «

»Das Prinzip aller Prinzipien« enthält die These vom Vorrang der Methode. Dieses Prinzip entscheidet darüber, welche Sache allein der Methode genügen kann. »Das Prinzip aller Prinzipien« verlangt als die Sache der Philosophie die absolute Subjektivität. Die transzendentale Reduktion auf diese gibt und sichert die Möglichkeit, in der Subjektivität und durch sie die Objektivität aller Objekte (das Sein dieses Seienden) in ihrem gültigen Aufbau und Bestand, d. h. in ihrer Konstitution, zu begründen. So erweist sich die transzendentale Subjektivität als »das einzige absolute Seiende«. (Formale und transzendentale Logik, 1929, S. 240.) Von der Art des Seins dieses absolut Seienden, d. h. von der Art der eigensten Sache der Philosophie, ist zugleich die transzendentale Reduktion als die Methode »der universalen Wissenschaft« von der Konstitution des Seins des Seienden. Die Methode richtet sich nicht nur nach der Sache der Philosophie. Sie gehört nicht nur zur Sache wie der Schlüssel zum Schloß. Sie gehört vielmehr in die Sache, weil sie »die Sache selbst« ist. Wollte man fragen: Woher nimmt denn »das Prinzip aller Prinzipien« sein unerschütterliches Recht, dann müßte die Antwort lauten: aus der transzendentalen


Martin Heidegger (GA 14) Zur Sache des Denkens

The End of Philosophy - On Time and Being pp. 63