Das Ende der Philosophie und die Alf gäbe des Denkens    83
        wir sonst in das Dunkle geraten und es durchirren? Gleichwohl 
        bleibt in der Philosophie die im Sein(l6), in der Anwesenheit 
        waltende Lichtung als solche ungedacht, wenngleich in ihrem Beginn 
        von der Lichtung gesprochen wird. Wo geschieht es und mit 
        welchem Namen? Antwort:
        Im denkenden Gedicht des Parmenides, der, soweit wir wissen, 
        als der erste dem Sein des Seienden eigens nachgedacht hat, der 
        noch heute, obzwar ungehört, in den Wissenschaften spricht, in 
        die sich die Philosophie auflöst.
        Parmenides hört den Zuspruch:
                                ...χρεώ δέ(17) σε πάντα πυθέσθαι
                            ήμέν Ἀληθείης εύκυκλέος άτρεμές ήτορ 
                            ήδέ βροτών δόξας, ταΐς ούκ ενι πίστις άληθής.
                                                Fragment I, 28 ff.
                                    »du sollst aber alles erfahren: 
                            sowohl der Unverborgenheit, der gutgerundeten,
                                nichtzitterndes Herz 
                            als auch der Sterblichen Dafürhalten, dem fehlt das 
                                Vertrauenkönnen auf Unverborgenes.«
        Hier wird die Ἀλήθεια, die Unverborgenheit, genannt. Sie heißt 
        die gutgerundete, weil sie im reinen Rund des Kreises gedreht ist, 
        auf dem überall Anfang und Ende dasselbe sind. In dieser 
        Drehung gibt es keine Möglichkeit des Verdrehens, Verstellens und 
        Versehließens. Der sinnende Mann soll das nichtzitternde Herz der 
        Unverborgenheit erfahren. Was meint das Wort vom nichtzitternden 
        Herzen der Unverborgenheit? Es meint sie selbst(18) in ihrem 
        Eigensten, meint den Ort der Stille, der in sich(19) versammelt, was
        (16) im Selbander vom Sein des Seienden
        (17) nich besorge aber —
        (18) nämlich die Ἀλήθεια
        (19) jenes