von der Ganzheit sprechen. Mit dem Wort "Gesamtheit" ist gesagt, daß die πάντα in der Gesamtheit nicht wie in einem Kasten, sondem in der Weise ihrer durchgängigen Vereinzelung sind. Wir wählen das Wort "Gesamtheit" aus zwei Gründen: einmal, um nicht Gefahr zu laufen, mit dem Ganzen sei das letzte Wort gesprochen, und zum anderen, um τὰ πάντα nicht nur im Sinne der ἔκαστα zu verstehen.
FINK: In gewisser Weise sind τὰ πάντα das Viele, aber eben nicht das Viele einer durchgezählten Menge, sondern einer inbegrifflichen Gesamtheit.
HEIDEGGER: Das Wort "Inbegriff" ist einmal zu statisch, zum anderen ist es auch ungriechisch, sofern es mit dem Greifen zu tun hat. Griechisch könnten wir vom περιέχον sprechen. Aber das ἔχειν meint nicht das Greifen und den Griff. Was da hereinspielt, werden wir aus den folgenden Fragmenten ersehen. — Um nun auf die in der letzten Seminarsitzung durchgegangenen Fragmente zurückzukommen, so haben wir gesehen, daß sie in unterschiedlicher Weise von τὰ πάντα sprechen. So ist z. B. das Fragment 7 das einzige bei Heraklit, in dem die πάντα als ὄντα angesprochen und in dem überhaupt die ὄντα genannt werden. Genau übersetzt lautet es: Wenn alles das Seiende Rauch würde, würden die Nasen es unterscheiden. Hier ist die Rede vom διγιγνώσκειν. Wir sprechen auch von einer Diagnose. Ist eine Diagnose eine Unterscheidung?
TEILNEHMER: Eine Diagnose unterscheidet, was gesund und krank, was auffällig und nicht auffällig in bezug auf eine Krankheit ist.
TEILNEHMER: Um in der Terminologie des Arztes zu sprechen: der Arzt sucht nach bestimmten Symptomen einer Krankheit. Die Diagnose ist ein Durchgehen des Körpers und ein genaues, unterscheidendes Erkennen von Symptomen.