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Heraklit V.

[92] über die Sprache gesagt. Unter anderem stellt er die Frage nach dem Rhythmus und zeigt, daß ῥυσμός nichts zu tun hat mit ῥέω (fließen), sondern als Gepräge zu verstehen ist. Im Rückgriff auf Werner Jäger beruft er sich dabei auf einen Vers des Archilochos-Fragments 67a, wo der ῥυσμός diese Bedeutung hat. Der Vers lautet: γίγνωσκε δ᾽ οἶος ῥυσμὸς ἀνθρώπος ἔχει, erkenne, welcher Rhythmus die Menschen hält. Außerdem führt er eine Stelle aus Aischylos' "Prometheus" an, auf die ebenfalls Werner Jäger schon hingewiesen hatte und in der ῥυσμός bzw. ῥυθμίζω dieselbe Bedeutung wie im Archilochos-Fragment hat: ὧδ᾽ ἐρρύθμισμαι (Prom. 241). Hier sagt Prometheus von sich selbst: in diesem Rhythmus bin ich festgebannt. Er, der in dem Eisengeflecht seiner Fesseln regungslos festgehalten ist, ist an den Felsen rhythmisiert, d.h. gefügt. Georgiades weist darauf hin, daß nicht die Menschen den Rhythmus machen, sondern daß für die Griechen der ῥυσμός das Substrat der Sprache ist, der Sprache, die auf uns zukommt. In dieser Richtung versteht Georgiades die archaische Sprache. Wir müssen also die alte Sprache bis ins 5. Jahrhundert hinein im Blick haben, um Heraklit annähernd zu verstehen. Diese Sprache kennt keine Sätze,


FINK: die eine bestimmte Bedeutung haben.


HEIDEGGER: In den Sätzen der archaischen Sprache spricht die Sache und nicht die Bedeutung.


FINK: Wir haben unsere Auslegung Heraklits begonnen mit dem Blitzfragment, sind von dort aus zum Fragment 11 übergegangen, in dem gesagt wird, daß alles Kriechende mit dem Schlag gehütet wird, wobei wir den Schlag mit dem Blitzschlag in Verbindung gebracht haben, und haben dann anschließend die Sonnen-und die Tag-Nacht-Fragmente in den Blick genommen. Hier war es vor allem der dreifache Sinn von μέτρα, der Bezug von Sonne und Zeit und die Eingebettetheit des Sonnenbereiches in eine ursprüngliche Nacht. Die Grenzen zwischen

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