Derart ist das ausgezeichnete Wissen um die Φύσις bei Heraklit. Aber was heißt Φύσις? Worauf deutet sie?
Viel mehr als auf Natura, — in der trotz offenkundiger Betonung des nasci die Verborgenheit vollkommen fehlt, — deutet die Φύσις auf die ἀλήθεια selbst. In diesem Wort Heraklits scheint der durchaus positive Sinn der >Vergessenheit< also noch vollkommen durch, wird es sichtbar, daß das Sein nicht »dem Außer-Acht-geraten unterworfen« ist, sondern sich selbst so weit und in dem Maß verbirgt, als es offenkundig wird. Nachdem dies in Erinnerung gebracht war, wird die Untersuchung der »Frage nach dem Sein« wiederaufgenommen.
>Frage nach dem Sein< bedeutet überlieferungsgemäß Frage nach dem Sein des Seienden, mit anderen Worten: Frage nach der Seiendheit des Seienden, in der das Seiende hinsichtlich seines Seiendseins bestimmt wird. Diese Frage ist die Frage der Metaphysik.
Mit »Sein und Zeit« jedoch bekommt >Frage nach dem Sein< einen ganz anderen Sinn. Hier geht es um die Frage nach dem Sein als Sein. Sie wird in »Sein und Zeit« unter dem Namen »Frage nach dem Sinn von Sein« thematisch.
Später wird diese Formulierung aufgegeben zugunsten jener der »Frage nach der Wahrheit des Seins«, — und schließlich zugunsten jener der »Frage nach dem Ort oder der Ortschaft des Seins«, — woraus der Name »Topologie des Seins« entsprang.
Drei Worte, die, indem sie einander ablösen, gleichzeitig drei Schritte auf dem Weg des Denkens bezeichnen:
SINN -WAHRHEIT -ORT (τόπος)
Wenn die Frage nach dem Sein verdeutlicht werden soll, muß notwendig erschlossen werden, was die drei einander folgenden Formulierungen verbindet und was sie unterscheidet.
Zuerst Wahrheit.