auf minderwertigen, ja sogar falschen Texten beruht. Und dennoch ist sie das beste Werk auf diesem Gebiet. Was Sie jetzt vorbringen, gehört nicht nur zur Philologie, sondern zum Lesen - und, wir irren ja alle; ich habe einmal eine Aufzeichnung gemacht: »Wer groß denkt, muß groß irren«.7 Ich will mich nicht mit Burckhardt vergleichen, aber ich darf sagen, daß ich unvergleichlich viel größeren Irrtümern ausgesetzt bin als Sie in Ihrer Tätigkeit. Diese Hinweise sind der Beliebigkeit entzogen, wobei zu beachten ist, daß es einen Tatbestand an sich nicht gibt. Was Sie mir sagten, zum Schluß, hat mich überzeugt; trotzdem bin ich nicht sicher, wie jenes »dann« gefaßt werden muß. Worauf es jetzt ankommt -daß auch der Satz: man kann alles beweisen, nicht ein Freibrief ist, sondern ein Hinweis auf die Möglichkeit, daß dort, wo man beweist im Sinne der Deduktion aus Axiomen, dies jederzeit in gewissem Sinne möglich ist. Das ist das unheimlich Rätselhafte, dessen Geheimnis ich bisher auch nicht an einem Zipfel aufzuheben vermochte, daß dieses Verfahren in der modemen Naturwissenschaft stimmt. Trotzdem wissen wir nicht, ob das die Natur ist, was uns die Wissenschaft gegenständlich vorstellt. Man könnte sogar auf den Gedanken kommen, daß eine Wissenschaft, die in solche Möglichkeiten der Zerstörung führt, daß da etwas nicht stimmt. Und ernsthafte Männer aus diesem Bereich, von Weizsäcker und Heisenberg, die sind von diesem Tatbestand aufs Tiefste betroffen. Wir kommen aus dieser Situation nicht dadurch heraus, daß wir noch eine Theologie dahinter aufbauen, sondern dadurch, daß es eines Tages darauf ankommt, vielleicht in ein neues Grundverhältnis zu dem, was ist, zu gelangen. Es gilt, in ein neues Verhältnis zum Sein zu kommen.
Und die Wende in dieses Verhältnis denkend vorzubereiten (nicht das Verhältnis zu verkünden im Sinne eines Propheten), das ist der unausgesprochene Sinn meines ganzen Denkens.
Wenn ich Sie gestern darauf hinweisen wollte, daß das, was man das Sein des Menschen nennt, das » Wohnen« ist und sich
7 Aus der Edahrung des Denkens, GA Bd. 13, 1983, S. 81.