darunter natürlich noch sehr viel Denkwürdiges verbirgt, so ist die Verlegenheit eines solchen Denkens gerade darin bekundet, daß es sich nicht anders behelfen kann, als einen solchen Text und solche Worte gleichsam zu Hilfe zu nehmen. Sie können mir glauben, daß mir jedesmal sehr unheimlich ist, wenn ich einen Hölderlintext überhaupt vortrage, zur Sprache bringe, und gar in einer solchen Form der Öffentlichkeit – daß es dazu viel Kraft braucht, um das Hören zurückzureißen in die Einsamkeit, die das Hören eines solchen Wortes vom Einzelnen verlangt.
Aber vielleicht, Herr Staiger, sind wir doch nicht ganz im Reinen. Ich will die Frage von Ihnen aufgreifen: warum gerade Hölderlin? Warum nicht Kleist oder Baudelaire oder wen sonst? – (Zwischenruf aus dem Publikum: Goethe! HEIDEGGER: Ich habe absichtlich nicht Goethe gesagt. Ich bin nicht mehr so böse wie in meiner Jugend, aber ich habe gelernt, daß es nicht mit dem bloßen Namen getan ist. Auch die Beziehung zu einem Dichter hat ihre Geschichte.) –
Ich glaube, daß hinter der Frage, die Sie stellen, oder: hinter Ihrer Beobachtung, daß meine Äußerung sich ständig und vielleicht mehr denn je in der Form der Interpretation bewegt, nicht nur von Philosophen, sondern auch von Dichtungen – daß hinter dieser Frage eine andere steht: das Verhältnis von Dichten und Denken. Ich habe das gestern nur kurz gestreift, weil das erstens aus dem Thema herausgeführt hätte, und weil es auch zu schwierig ist. Aber ich möchte vielleicht zur Klärung doch noch dieses jetzt berühren, weil ich nämlich in meinem Text Einiges übergangen habe, gerade mit Rücksicht auf – nun ja, auf das Publikum.
Ich habe darauf hingewiesen, daß bei Hölderlin zwar die Rede ist vom Wohnen, aber nicht vom Bauen. Ich möchte bemerken, daß diese Dinge in einer ganz bestimmten Richtung durchdacht sind, die ich aber hier beiseite lassen möchte.8
8 Vgl. den Vortrag Bauen Wohnen Denken, a. a. O. in Anm. 1, S. 145-162.