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Fragen: Wissenschaft; Ontologische Differenz

einem vorgegebenen Entwurf des Gegenstandsbereiches und seiner Sprache entspricht. Ob und wie weit die Wesensbestimmung einer Sache (z. B. Gedicht, Geschichte etc.), wie weit das dem Wesensbereich des betreffenden Gegenstandsbereiches entspricht, d. h. wie es mit der Wahrheit steht, auf der das jedesmal Richtige beruht, das ist eine andere Frage. Das wird in der Wissenschaft nicht entschieden und auch nicht gefragt, und muß trotzdem gedacht werden. Es kommt darauf an, daß man gegenüber dem technischen Wesen der Wissenschaft ihr eigentliches, wenn Sie wollen, geistiges Wesen, den tieferen Wesensbereich der wissenschaftlichen Forschung sieht; daß es nicht Wissenschaften gibt, die als einmal eingerichtete Betriebe mechanisch ablaufen. Es kommt an auf das innere Wissen des Denkwürdigen dessen, was erforscht wird. Dann gehört auch dieses Erforschbare und Erforschenswürdige auf die Seite des Denkens, das in diesem Fall dem Dichten gegenübersteht. ---


(Pause; es werden schriftliche Fragen abgegeben.)


ERSTE FRAGE: Ist die ontologische Differenz nicht der Sache nach schon früher gedacht worden, z. B. bei Plato, Plotin, Schelling?


HEIDEGGER: Wo ist die ontologische Differenz jemals genannt? Schelling spricht vom »Ungrund«. Er macht in seiner späteren Zeit den Unterschied zwischen positiver und negativer Philosophie. Aber: das Entscheidende ist, daß er das Problem des Zusammenhangs und der Einheit, oder den Grund dieser Unterscheidung dessen, was er positiv und negativ nennt, nicht als Problem sieht. Die Unterscheidung macht er. Daß sie gemacht wurde, beweist die Tatsache, daß es »Metaphysik« gab und gibt, den überschritt vom Seienden zum Sein. Das alles ist in der Dimension der ontologischen Differenz vollzogen. Aber die Metaphysik kann als solche niemals die Dimension denken, in der sie selber west. So ist es auch bei Plato. Die Metaphysik


Martin Heidegger (GA 15) Seminare - Zürcher Seminar

GA 15