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Zürcher Seminar

vollzieht den überschritt vom Seienden zum Sein und hält sich in diesem überschritt auf und legt ihn auf verschiedene Weise aus. Aber die Metaphysik fragt nie nach dem Wesen und d. h. nach der Wesensherkunft dieses von ... zu ... ; sie bedenkt diese Differenz niemals als Differenz; aus dem einfachen Grunde, weil sie solches wesensmäßig als Metaphysik nicht vermag. Die Differenz, die Schelling meint: Grund und Existenz, betrifft nur die Bestimmung jedes »Wesens«, d. h. jedes Seienden als eines solchen. Sie bewegt sich innerhalb der gerade nicht bedachten Differenz von Sein und Seiendem.


ZWEITE FRAGE: Halten Sie einen Satz, den Sie aussprechen, für richtig oder für wahr?


HEIDEGGER: Ich würde sagen, er ist fragwürdig.


DRITTE FRAGE: Dürfen Sein und Gott identisch gesetzt werden?


HEIDEGGER: Diese Frage wird mir fast alle vierzehn Tage gestellt, weil sie die Theologen (begreiflicherweise) beunruhigt, und weil sie zusammenhängt mit der Europäisierung der Geschichte, die schon im Mittelalter beginnt, nämlich dadurch, daß Aristoteles und Plato in die Theologie eingedrungen sind, respektive in das Neue Testament. Das ist ein Prozeß, den man sich gar nicht ungeheuer genug vorstellen kann. Ich habe einen mir wohlgesinnten Jesuiten gebeten, mir die Stellen bei Thomas von Aquin zu zeigen, wo gesagt sei, was »esse« eigentlich bedeute und was der Satz besage: Deus est suum esse. Ich habe bis heute noch keine Antwort. –

Gott und Sein ist nicht identisch. (Wenn Rickert meint, der Begriff »Sein« sei zu sehr belastet, so darum, weil er Sein im ganz engen Sinn von Wirklichkeit im Unterschied zu den Werten versteht.) Sein und Gott sind nicht identisch, und ich würde niemals versuchen, das Wesen Gottes durch das Sein zu denken. Einige wissen vielleicht, daß ich von der Theologie herkomme


Martin Heidegger (GA 15) Seminare - Zürcher Seminar

GA 15