nicht nur beiläufig bemühen oder ob wir - in bester Absicht - nur alte Einrichtungen ändern und neue anfügen. Niemand wird uns hindern, dies zu tun.
Aber niemand wird uns auch fragen, ob wir wollen oder nicht wollen, wenn die geistige Kraft des Abendlandes versagt und dieses in seinen Fugen kracht, wenn die abgelebte Scheinkultur in sich zusammenstürzt und alle Kräfte in die Verwirrung reißt und im Wahnsinn ersticken läßt.
Ob solches geschieht oder nicht geschieht, das hängt allein daran, ob wir als geschichtlich-geistiges Volk uns selbst noch und wieder wollen — oder ob wir uns nicht mehr wollen. Jeder einzelne entscheidet darüber mit, auch dann und gerade dann, wenn er vor dieser Entscheidung ausweicht.
Aber wir wollen, daß unser Volk seinen geschichtlichen Auftrag erfüllt.
Wir wollen uns selbst. Denn die junge und jüngste Kraft des Volkes, die über uns schon hinweggreift, hat darüber bereits entschieden.
Die Herrlichkeit aber und die Größe dieses Aufbruchs verstehen wir dann erst ganz, wenn wir in uns jene tiefe und weite Besonnenheit tragen, aus der die alte griechische Weisheit das Wort gesprochen:
τὰ ... μεγάλα πάντα ἐπισφαλῆ ...
»Alles Große steht im Sturm ... «
(Platon, Politeia 497 d, 9)
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