vollzieht sich im Wissen um das Ganze und seine Gesetze und im Wollen dazu. Wissen und Wollen müssen geweckt, geleitet, gefestigt und stets erneuert werden. Das aber ist der Sinn und die Aufgabe der Erziehung. Im Erwachen der neuen Freiheit als Bindung liegt die innere Forderung nach einer neuen Erziehung. Erziehung zum Wissen geschieht in der Schule. Die Erziehung zum höchsten Wissen um die Gesetze und Bereiche des ganzen Daseins des Volkes verlangt eine höchste Schule. So ergab sich der Plan zur Gründung einer neuen Universität. Die mußte dorthin gelegt werden, wo sich damals Wissen und Wollen der neuen Freiheit sammelte -nach Berlin. W. v. Humboldt wurde damals vom preußischen König zur Leitung des Erziehungswesens berufen. Er hat in der kurzen Zeit seiner Amtstätigkeit (5/4 Jahre) den durch die Philosophen vorbereiteten Plan der Universität Berlin im Jahre 1810 verwirklicht.

Vier Tatsachen sind kennzeichnend für den Anfang dieser Universität:

1. Es war eine Neuschöpfung; d.h. die neuen Aufgaben wurden nicht einer schon bestehenden Universität mit ihren festen Richtungen und Gewohnheiten übertragen. Die neue Gründung war nicht belastet durch das Alte und Veraltete.

2. Das Hauptgewicht wurde nicht auf äußere Organisation gelegt, sondern in die Berufung und Vereinigung der tüchtigsten Männer, der schöpferischen Denker und vorbildlichen Lehrer. W v. Humboldt schrieb damals selbst ausdrücklich: »Man beruft eben tüchtige Männer und läßt die neue Universität damit sich allmählich encadrieren.«

3. Die tragende und bestimmende Mitte der neuen Universität wurde die philosophische Fakultät. Die Erziehung zum Wissen war geleitet durch eine umfassende philosophische Ausrichtung auf den inneren Zusammenhang aller wesentlichen Gebiete des Wissens und der zugehörigen Verfahrungsweisen ihrer Bearbeitung.

4. Die Gründung war nicht gedacht als eine besondere preußische Angelegenheit, sondern ausdrücklich gewollt als vorbildliche


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