seins gefragt wird? Es handelt sich ganz und gar nicht um eine Ontologie des Menschen im Sinne einer besonderen eingeschränkten Teildisziplin innerhalb einer allgemeinen Ontologie — eine solche wird überhaupt nicht beabsichtigt, sondern, sofern überhaupt von Ontologie die Rede ist, handelt es sich um eine Fundamentalontologie, d. h. traditionell gesprochen um eine Grundlegung der Ontologie überhaupt, und damit auch erst um eine Grundlegung der allgemeinen Ontologie. Denn die Frage ist, streng gedacht, überhaupt keine ontologische mehr, wenn man unter Ontologie versteht die allgemeine und die spezielle Frage nach dem Sein des Seienden und seiner Bereiche, nicht nach dem Sein des Seienden, deutlicher gesprochen, nicht nach dem Seienden hinsichtlich seines Seins, dessen »Sinn« als schon feststehend und ungefragt überall seit Parmenides bis zu Nietzsche vorausgesetzt wird, sondern nach dem Sein selbst und d. h. zugleich nach der Offenbarkeit und Lichtung des Seins (nicht des Seienden) ist die einzige Frage.

Der Titel für diese Frage lautet in Sein und Zeit die Frage nach dem Sinn von Sein (S. 1) — und Sinn (S. 151, »u. S. 323« — J. Beaufret), kann man kurz sagen, ist der Bereich der Unverborgenheit oder Lichtung (Verstehbarkeit), worin erst alles Verstehen, d.h. Entwerfen (ins Offene bringen) möglich ist.

Die Frage in Sein und Zeit geht einzig nach der Wahrheit des Seins, nicht nach dem Sein des Seienden, also nicht mehr nach einer Ontologie, weder einer allgemeinen noch einer speziellen. Weil ich aber früh erkannte, daß bei den Griechen, ohne daß sie darüber nachdachten, das Sein als Anwesenheit (d.h. aus der Zeit) bestimmt wurde, ergab sich mir der entscheidende Wink, daß das Sein in irgendeiner verborgenen Weise in der Lichtung der Zeit steht.

Also muß, wenn nach der Wahrheit des Seins gefragt wird (d. h. nach der Lichtung des Seins), die Frage gestellt werden nach Sein und Zeit — und weil nun der Mensch in einer ausgezeichneten Beziehung zum Sein steht, d.h. in der Lichtung des Seins, die in verborgener Weise die Zeit selbst ist, muß nach


GA 16