Dies kann erst dann gelingen, wenn wir uns — wenigstens für einen Augenblick — auf die Frage einlassen: Welches ist die eigene Sache der Philosophie, an die sie seit ihrem Beginn gewiesen bleibt?
An seinem Beginn findet sich das Denken, das später Philosophie heißt, dahin gewiesen, erst einmal das Erstaunliche zu vernehmen und zu sagen, daß das Seiende ist und wie es ist. Was wir, vieldeutig und verworren genug, das Seiende nennen, haben die griechischen Philosophen als das Anwesende erfahren, weil das Sein sich ihnen als Anwesenheit zusprach. In dieser wurde zugleich der Übergang von Anwesen zu Abwesen, Ankommen und Entschwinden, Entstehen und Vergehen, das heißt Bewegung, gedacht.
Im Gang der Geschichte der Philosophie wandeln sich Erfahrung und Auslegung der Anwesenheit des Anwesenden. Das Ende der Philosophie ist erreicht, wenn diese Wandlung sich in ihrer letzten Möglichkeit erfüllt. Die Geschichte dieser Wandlung und deren Vollendung wurde bislang deshalb nicht erkannt, weil man dem griechischen Denken neuzeitliche Vorstellungen unterlegte. Das klassische Beispiel für dieses Verfahren im großen Stil bleibt Hegels Auslegung der Geschichte der Philosophie.*
So blieb dem griechischen Denken die Anwesenheit im Sinne der Gegenständlichkeit von Gegenständen unbekannt. Für sie gab sich das Anwesende nie als Objekt. Anwesenheit im Sinne von Objektivität beginnt für die Philosophie erst denkbar zu werden, seitdem das Anwesende — griechisch das ὑποκείμενον, das von sich her Vorliegende, römisch das Subiectum — von Descartes im Ego sum des Ego cogito gefunden wurde. Demgemäß erscheint das Ich des Menschen, der Mensch selbst, als das ausgezeichnete Subiectum, das künftig den Namen Subjekt ausschließlich für sich beansprucht. Deshalb bildet fortan die Subjektivität den Bereich, in dem und für den sich erst eine Objektivität zusammenstellt.
*Hg.: Vgl. Martin Heidegger, Hegel und die Griechen, in GA, Bd. 9, S. 427-444.
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