daß sie einerseits auf das, was die Philosophie denkt, angewiesen ist, andererseits selbst aber dieses zu-Denkende vergißt und nicht beachtet.
Wisser: Und was meinen Sie, wenn Sie zweitens davon sprechen, daß größer als die Gefahr der Atombombe für die heutige Menschheit das Ge-setz der Technik ist, das »Gestell«, wie Sie den Grundzug der Technik nennen, das Wirkliche in der Weise des Bestellens als Bestand zu entbergen, anders ausgedrückt: alles und jeden auf einen Knopfdruck hin abrufbar zu machen?
Heidegger: Was die Technik betrifft, so ist meine Bestimmung des Wesens der Technik, die bisher noch nirgends aufgenommen worden ist, die - um es konkret zu sagen -, daß die moderne Naturwissenschaft in der Entwicklung des Wesens der modernen Technik gründet und nicht umgekehrt.
Zunächst ist zu sagen, daß ich nicht gegen die Technik bin. Ich habe nie gegen die Technik gesprochen, auch nicht gegen das sogenannte Dämonische der Technik. Sondern ich versuche: das Wesen der Technik zu verstehen.
Wenn Sie diesen Gedanken zitieren mit der Gefährlichkeit der Atombombe und einer noch größeren Gefährlichkeit der Technik, so denke ich an das, was sich heute als Biophysik entwickelt, daß wir in absehbarer Zeit im Stande sind, den Menschen so zu machen, d. h. rein in seinem organischen Wesen so zu konstruieren, wie man ihn braucht: Geschickte und Ungeschickte, Gescheite und -Dumme. So weit wird es kommen! Die technischen Möglichkeiten sind heute bereit und wurden schon von Nobelpreisträgern in einer Tagung in Lindau ausgesprochen -was ich in einem Vortrag vor Jahren in Meßkirch bereits zitiert habe.
Also: vor allem das Mißverständnis ist abzulehnen, als ob ich gegen die Technik sei.
Ich sehe in der Technik, in ihrem Wesen nämlich, daß der Mensch unter einer Macht steht, die ihn herausfordert und dergegenüber er nicht mehr frei ist - daß sich hier etwas ankündigt, nämlich ein Bezug des Seins zum Menschen - und daß dieser
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