Sein als Anwesenheit des Anwesenden. In Anwesenheit spricht Gegenwart, in Gegenwart ist ein Moment der Zeit, also ist die Bestimmung des Seins als Anwesenheit auf Zeit bezogen.
Versuche ich nun, die Anwesenheit von der Zeit her zu bestimmen, und sehe ich mich um in der Geschichte des Denkens, was über die Zeit gesagt ist, dann finde ich von Aristoteles an, daß das Wesen der Zeit von einem schon bestimmten Sein her bestimmt ist. Also: Der überlieferte Begriff der Zeit ist unbrauchbar. Und deshalb habe ich in »Sein und Zeit« einen neuen Begriff der Zeit und Zeitlichkeit im Sinne der ekstatischen Offenheit zu entwickeln versucht.
Die andere Frage ist eine Frage, die bereits Leibniz gestellt hat und die wiederum Schelling aufgenommen hat und die ich wörtlich wieder am Schluß meines schon genannten Vortrags »Was ist Metaphysik?« wiederhole.
Aber: Diese Frage hat bei mir einen ganz anderen Sinn. Die gewöhnliche metaphysische Vorstellung dessen, was in der Frage gefragt wird, bedeutet: Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts? Das heißt: Wo ist die Ursache oder der Grund dafür, daß Seiendes ist und nicht Nichts?
Ich frage dagegen: Warum ist überhaupt Seiendes und nicht viel mehr Nichts? Warum hat das Seiende den Vorrang, warum wird nicht das Nichts als identisch mit dem Sein gedacht? Das heißt: Warum herrscht und woher kommt die Seinsvergessenheit?
Es ist also eine ganz andere Frage als die metaphysische Frage. Das heißt: Ich frage »Was ist Metaphysik?« Ich frage nicht eine metaphysische Frage, sondern frage nach dem Wesen der Metaphysik.
Wie Sie sehen, sind diese Fragen alle ungewöhnlich schwer und für das geläufige Verstehen im Grunde unzugänglich. Es bedarf eines langen »Kopfzerbrechens« und einer langen Erfahrung und einer wirklichen Auseinandersetzung mit der großen Überlieferung. Eine der großen Gefahren unseres Denkens ist heute gerade die, daß das Denken - also im Sinne des philosophischen
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