282. NEUZEITLICHE NATURWISSENSCHAFT UND
MODERNE TECHNIK



Grußwort
an die Teilnehmer des zehnten Colloquiums vom 14.-16. Mai 1976 in Chicago.


Denkende grüßen einander, indem sie sich gegenseitig Fragen stellen.

Die Frage, mit der ich Sie grüße, ist die einzige, die ich bis zu dieser Stunde immer fragender zu fragen versuche. Man kennt sie unter dem Titel »die Seinsfrage«.

Sie kann für uns zunächst nur auf dem Wege einer Erörterung der abendländisch-europäischen Metaphysik gefragt werden, und zwar im Hinblick auf die in dieser vom Anfang her waltenden Seinsvergessenheit.

Im metaphysischen Fragen nach dem Sein des Seienden verbirgt sich das Sein selbst hinsichtlich seiner Eigentümlichkeit und Ortschaft.

Dieses Sichverbergen des Seins ist in den einzelnen Epochen verschieden (vgl. Holzwege. Der Spruch des Anaximander, S. 296 ff.).

Die Seinsvergessenheit ist im Zeitalter der technologisch geprägten Weltzivilisation für das Fragen der Seinsfrage in einer besonderen Weise bedrängend.

Aus der Vielfalt der hier nötigen Fragen sei die folgende genannt:


Ist die neuzeitliche Naturwissenschaft -wie man meint -die Grundlage der modernen Technologie oder ist sie ihrerseits schon die Grundform des technologischen Denkens, der bestimmende Vorgriff und der ständige Eingriff des technologischen Vorstellens in die ausführende und einrichtende Machenschaft der modernen Technik?


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