VORBEMERKUNG
Die Aufgabe der Vorlesung
und
die Leidenschaft des echten und rechten Fragens
Die Vorlesung hat eine doppelte Aufgabe: 1. Feststellen und Aufschließen des Horizontes, innerhalb dessen bestimmte Tatbestände zu erwarten sind. Vorläufige Orientierung der Blickrichtung, Abstreifen verfehlter Erwartungen. 2. Konkrete Bearbeitung der schrittweise nahegebrachten Tatbestände, Vertrautheit mit den Gegenständen und der Art und Weise des theoretischen Umgangs mit ihnen.
Vorher sind folgende Fehlerwartungen abzustreifen: 1. Keine journalistische Auskunft über Phänomenologie und Verraten eines Tricks der Wesensschau. 2. Gefährlicher, weil fester eingesessen: Hier wird keine Grundlegung, kein Programm oder System gegeben: nicht einmal Philosophie ist zu erwarten. Es ist meine Überzeugung, daß es mit der Philosophie zu Ende ist. Wir stehen vor völlig neuen Aufgaben, die mit der traditionellen Philosophie nichts zu tun haben. Diese Ansicht ist aber nur ein Leitfaden. Von Bedeutung sind allein die Tatbestände; Abgrenzung, Einreihung, Deutung und Auseinandersetzung sind von sekundärem Belang.
Die Aufgabe der folgenden Betrachtungen ist eine dreifache: 1. Aufklärung des Ausdrucks »Phänomenologie«; 2. Vergegenwärtigung des Durchbruchs der phänomenologischen Forschung in Husserls »Logische Untersuchungen«. 3. Vergegenwärtigung der Ausbildung der Phänomenologie von hier aus, wie weit sie festgehalten, wie weit sie abgebogen oder am Ende in ihrer entscheidenden Bedeutung aus der Hand gegeben wird. Wortgeschichte: φαινόμενον und λόγος — zwei ursprüngliche