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§ & Die Analyse der φρόνησις

so. Das Dasein ist ἀρχή des Überlegens der φρόνησις. Und was die φρόνησις überlegt, ist nicht das, wobei eine πρᾶξις zu Ende kommt. Ein Resultat ist nicht konstitutiv für das Sein des Handelns, sondern lediglich das εΰ, das Wie. Das τέλος in der φρόνησις ist der άνθρωπος selbst. [36] Bei der ποίησις ist das τέλος ein anderes, ein weltlich Seiendes gegenüber dem Dasein, bei der πρᾶξις aber nicht.

Inwiefern ist nun die φρόνησις ein ἀληθεύειν?


b) Die φρόνησις als ἀ-ληθεύειν.

ἡδονή und λύπη. σωφροσύνη. Die φρόνησις als Kampf gegen die im Dasein liegende Verdeckungstendenz seiner selbst. Die φρόνησις als un-eigenständiges ἀληθεύειν im Dienste der πρᾶξις


Sofern der Mensch selbst Gegenstand des ἀληθεύειν der φρόνησις ist, muß es so um den Menschen stehen, daß er sich selbst verdeckt ist, sich selbst nicht sieht, so daß es eigens eines ά-ληθεύειν bedarf, um sich selbst durchsichtig zu werden. In der Tat: διαφθείρει καὶ διαστρέφει τὸ ἡδὺ καὶ τὸ λυπηρὸν τὴν ὑπόληψιν (vgl. b13 sq). »Das, was Vergnügen bereitet, und das, was die Stimmung herabdrückt, das kann die ὑπόληψις zerstören oder durcheinanderbringen«. Eine Stimmung kann den Menschen sich selbst verdecken; es kann ihm auf bestimmte nebensächliche Dinge ankommen; er kann in sich selbst vergafft sein, so daß er sich eigentlich nicht sieht. Daher bedarf es immer wieder der Rettung der φρόνησις. Die Umsicht sich selbst gegenüber, die Einsicht in sich selbst muß vom Menschen immer wieder gegen die Gefahr des διαφθείρειν und des διαστρέφει ν errungen werden. Es ist gar nicht selbstverständlich, daß das Dasein für es selbst in der Eigentlichkeit seines Seins aufgedeckt ist; die ἀλήθεια muß auch hier abgerungen werden. Und so nimmt Aristoteles zusammen mit Plato auf eine eigentümliche Etymologie Bezug, σωφροσύνη σῴζει τὴν ψρόνησιν (vgl. b11 sq), »die Besonnenheit ist das, was die φρόνησις rettet«, erhält gegenüber der Möglichkeit der Verdeckung. Ebenso bestimmt


Martin Heidegger (GA 19) Platon Sophistes

GA 19