die ἀρετή der τέχνη. Das muß umso merkwürdiger berühren, als die τέχνη das Seiende, das auch anders sein kann, die σοφία aber im ausgezeichneten Sinn das Immerseiende zum Thema hat.
§9. Die Analyse der σοφία (Eth. Nic. VI, 6-7)
a) Das dia-noetische Verhältnis von ἐπιστήμη, φρόνησις und σοφία zu den ἀρχαί (Eth. Nic. VI, 6)
Um die σοφία zu verstehen, müssen wir uns zunächst den Zu sammenhang wieder vergegenwärtigen, unter dem die Interpretation ständig läuft. Die verschiedenen Weisen des ἀληθεύειν werden analysiert im Hinblick auf die ἀρχαί, deren Aufdeckung und Verwahrung. Die' ἐπιστήμη gründet in den ἀρχαί; sie gebraucht die ἀρχαί in den Axiomen, den selbstverständlichen Sätzen, aus denen sie schließt; in ihr sind ἀρχή1 und τέλος, εἶδος und ὕλη des Seienden unausdrücklich mitgemeint; aber sie macht die ἀρχαί nicht zum Thema, sondern sie will nur am Leitfaden des εἶδος die Überlegung durchführen. Die τέχνη nimmt nur die ἀρχή, das εἶδος, vorweg; das τέλος ist in ihr nicht einmal mehr mitgemeint; aber auch sie macht das εἶδος nicht4 zum Thema, sie geht nur am Leitfaden des εἶδος vor, das ihr die Direktion für das λογίζεσθαι gibt In der φρόνησις^βί das ού ένεκα und mit ihm zwar sowohl die ἀρχή wie auch das τέλος, die εΰπραξία, gegeben — denn die ἀρχή ist das τέλος selbst —, aber auch hier nicht in thematischer Betrachtung; ἀρχή und τέλος kommen nicht ah ἀρχή und τέλος zur Betrachtung. Die φρόνησις ist keine Spekulation über die ἀρχή und das τέλος des Handelns als solche: sie ist keine Ethik und Wissenschaft, keine ἕξις μετὰ λόγου μόνον (Eth. Nic. VI, 5; 1140b28), sondern sie
3 s. Anhang.
4 Anm. von Hg.: im Sinne der αρχή της κινήσεως. Vgl. die sog. »Vier-Ursachen-Lehre« des Aristoteles, u.a. Met 1,3; 983a24sqq.