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Die Genesis der σοφία im natürlichen Dasein

ἀριθμὸς οὐ λέγεται (vgl. a7 sq). Der ἀριθμός, das Gezählte, die Summe, wird πᾶν, Gesamt, genannt, nicht aber ὅλον, Ganzes. Und schließlich heißt e) πάντα »alle, sämtliche«, nicht aber das Ganze, πασαι αύται αϊ μονάδες, »diese sämtlichen Einheiten«, πάντα δὲ λέγεται ἐφ᾽ οἷς τὸ πᾶν ὡς ἐφ᾽ ἐνί, ἐπὶ τούτοις τὸ πάντα ὡς ἐπὶ δνηρημένοις: πᾶς οὗτος ὁ ἀριθμός, πᾶσαι αὗται αἱ μονάδες (a8 sqq). »Wobei man τό παν, das Gesamt, gebraucht, um damit die Einheit zu bezeichnen, dabei gebraucht man τά πάντα, die Sämtlichen, um damit die getrennten Teile zu bezeichnen, diese gesamte Zahl, diese sämtlichen Einsen.«

Diese Betrachtung hat bei Aristoteles fundamentale Bedeutung für die Struktur des Seienden und für den λόγος, der das Seiende in seiner Struktur aufdeckt. — Von hier aus ergibt sich der Unterschied zwischen dem καθόλου und dem καθ᾽ ἕκαστον. Dieser liegt in der Weise des Zugangs zum Seienden und damit zugleich im Grad der Aufgedecktheit (ἀλήθεια) des Seienden.


b) Die Zugangsart als distingens von καθ᾽ ἕκαστον und καθόλου.

αἴσθησις und λόγος, πρὸς ἡμᾶς γνωριμώτερον und ἀπλῶς γνωριμώτερον. Der Weg der Philosophie (gemäß Top. VI, 4 und Met. VII, 3): Vom καθ᾽ ἕκαστον zum καθόλου


Das καθόλου ist ein bestimmtes ὅλον; seine Auszeichnung liegt darin, daß sein Sein durch die Zugänglichkeit durch den λόγος bestimmt ist: es ist ein ὅλον λεγόμενον. Das καθόλου kann niemals in einer αἴσθησις aufgedeckt werden, die sich an den bloßen Augenschein hält. Um das καθόλου zu sehen, muß ich sprechen, etwas als etwas ansprechen. In diesem Unterschied zwischen dem λόγος und der αἴσθησις liegt auch der Unterschied zwischen dem καθόλου und dem καθ᾽ ἕκαστον. Das καθ᾽ ἕκαστον ist das Seiende, wie es sich zunächst und d.h. in der αἴσθησις darbietet. Das καθόλου ist etwas, was sich erst und allein im λέγειν zeigt. Diese Unterscheidung betrifft die grundsätzliche Frage, in welcher Weise und welcher Stufenfolge das


Martin Heidegger (GA 19) Platon Sophistes

GA 19