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Die Genesis der σοφία im natürlichen Dasein

μονὰς ἀριθμοῦ· πρότερον γὰρ καὶ ἀρχὴ παντὸς ἀριθμοῦ, ομοίως δὲ καὶ στοιχεῖον συλλαβῆς, ήμῖν δ᾿ ἀνάπαλιν ἐνίοτε συμβαίνει· μάλιστα γὰρ τὸ στερεὸν ὑπὸ τὴν αἴσθησιν πίπτει [τοῦ επιπέδου], τὸ δ᾽ έπίπεδον μᾶλλον τῆς γραμμῆς, γραμμὴ δὲ σημείου μᾶλλον, [διό μάλλον] οἱ πολλοὶ γὰρ τὰ τοιαῦτα προγνωρίζουσιν· τὰ μὲν γὰρ τῆς τυχούσης, τὰ δ᾽ ἀκριβοῦς καὶ περιττῆς διανοίας καταμαθεῖν ἐστιν (Topik VI,4; 141b5 sqq). Für uns, ἡμῖν, im nächsten Verhalten, ist zunächst vertraut das στερεόν bzw. das σώμα, der Körper, wie er leibhaft ist. Erst im zunehmenden Rückgang auf die ἀρχή werden von uns έπίπεδον, γραμμή, στιγμή, Fläche, Linie, Punkt aufgedeckt. Der Punkt ist dann die ἀρχή. Ebenso wird beim ἀριθμός, bei einer bestimmten Anzahl, erst im Rückgang die μονάς, die Eins, als die ἀρχή aufgedeckt. Während also ἀπλῶς, schlechthin, auf das Seiende selbst gesehen, στιγμή bzw. μονάς die ἀρχή ist, verhalten sich die Dinge, auf uns gesehen, umgekehrt. Der naive Mensch sieht keinen Punkt, und er weiß nicht, daß die Linie aus Punkten besteht, οἱ πολλοί, die Menschen, wie sie zunächst und zumeist sind, kennen den Körper, d. h. das, was zunächst in die Augen fällt und was im beliebigen Zusehen erfahren werden kann. Es bedarf keiner besonderen Veranstaltungen des Überlegens, um die Dinge in ihrer Ganzheit zu sehen.

Gemäß dieser Unterscheidung ist auch die Reichweite der αἴσθησις gegenüber dem λόγος verschieden. Die αίοθηοις bleibt hinsichtlich des ἀληθεύειν hinter dem λόγος und dem νοῦς zurück, τά δ' έκάστοις γνώριμα καὶ πρώτα πολλάκις ήρεμα έστί γνώριμα, καὶ μικρόν ἡ ουδέν έχει τοῦ ὄντος. άλλ' δμως ἐκ τῶν φαύλως μέν γνωστών, αύτῷ δέ γνωστών, τά δλως γνωστά γνώναι πειρατέον, μεταβαίνοντας, ώσπερ είρηται, διά τούτων αυτών (Met. VII, 3; 1029b8 sqq). »Was jedem beliebigen vertraut und was zuerst für ihn da ist, das ist oft unscharf — unabgehoben, aber es ist gesehen — und hat wenig oder nichts vom Seienden bei sich.« Es ist zwar so, daß in der αἴσθησις die πολλοί die Welt gesehen haben, aber das, was in der αἴσθησις gegeben ist, tragt nichts oder wenig vom Seienden bei sich. - In dieser eigentümlichen Ausdrucksweise zeigt sich, daß für Aristoteles ein bestimmter Sinn


Martin Heidegger (GA 19) Platon Sophistes

GA 19