§ 13 Fortsetzung: τέχνη und ἐπιστήμη. (Met I, 1)
Die in der τέχνη liegende Tendenz auf »eigenständige« ἐπιστήμη.
Die weitere Entwicklung der ἐπιστήμη

Im Unterschied zum ἔμπειρος ist der τεχνίτης derjenige, der άνευ τῆς ἐμπειρίας έχει τον λόγον (vgl. Met. 1,1; 981a21), »der, ohne in die Behandlungsart eingefahren zu sein, das εἶδος kennt«. Er ist derjenige, der das jeweilig Seiende καθόλου γνωρίζει (vgl. a21 sq), »es in seinem Ganzen kennt«, der aber dabei τδ έν τούτω καθ᾽ ἕκαστον αγνοεί (vgl. a22), »unvertraut ist mit dem, was jeweilig das Seiende für sich ist«, das in diesem ὅλον ein έν mit anderen ist. Für die τέχνη ist also entscheidend das Hinhören, das Hin-sehen, d.h. das Aufdecken. Daher kann Aristoteles sagen: «αρχιτέκτονες» τάς αΙτίας τῶν ποιούμενων ϊσασιν (981b1 sq), »die Architekten wissen die Ursachen dessen, was hergestellt wird«. Damit zeigt sich zugleich das Folgende. Die αΙτία bzw. das καθόλου ist zunächst nicht Thema eines bloßen Betrachtern. Es ist zwar als εἶδος abgehoben, aber nicht so, daß es Thema einer besonderen Untersuchung wäre. Das Wissen der αίτια ist zunächst da nur im Zusammenhang des Verrichtens selbst, d.h. die αΙτία ist da zunächst nur als Weil-deshalb des So-und-so-Vorgehens. Das εἶδος ist zunächst nur da in der τέχνη selbst. Weil aber in der τέχνη eben bereits das εἶδος herausgehoben ist, deshalb wird den τεχνϊται zugeschrieben μάλλον εἰδέναι (a31 sq), mehr zu wissen und σοφώτεροι zu sein als die bloßen έμπειροι. Das μάλλον wird ihnen also zugeschrieben κατά τό λόγον έχειν (b6), im Hinblick auf das Ausbilden des BeSprechens dessen, was Gegenstand des besorgenden Umgangs, des Verrichtens ist, d.h. aber im Hinblick auf das Aufdecken. Das λέγειν wird innerhalb des Verrichtens mehr und mehr eigenständig, und das legt das natürlich nächste Dasein als σοφώτερον aus. Ferner kann der λόγον έχων etwas verständlich machen in dem, wie es zu seinem Sein kommt, wie das Ganze zusammenhängt; er kennt das, woraus etwas besteht, wozu es beiträglich ist, wie damit etwas so verfügbar anwesend wird, wie es ist.

GA 19