Die αἴαθησις ist ein κύριον (vgl. Met 1,1; 981b11; Eth. Nic. VI,2; 1139a18)2, etwas, das überhaupt zum Dasein gehört, aber nicht etwas, wodurch das Seiende selbst als Seiendes gesehen werden kann.
3. ἀκριβέσταται δὲ τῶν ἐπιστημῶν αἲ μάλιστα τῶν πρώτων εἰσίν (Met. 1, 2; 982a25 sq). Der σοφία ist es eigentümlich, daß sie ακριβέστατη ist, und dies nicht deshalb, weil die σοφοί besonderen Scharfsinn aufwenden, sondern weil ihr Thema das ist, was am meisten die Fundamente des Seienden in seinem Sein berührt, άκριβέστατον, am gründlichsten ist, was μάλιστα τῶν πρώτων ist, »was am meisten an das erste Von-wo-aus vordringt«. Diese »Ersten«, die ersten Bestimmungen des Seienden, sind als die Ursprünglichsten nicht nur in sich selbst einfach, sondern in ihrer Mannigfaltigkeit am schärfsten zu erfassen, weil sie die Wenigsten sind. Das Eigentümliche der ἀρχαί besteht darin, daß sie ihrer Anzahl nach begrenzt sind. Und sie sind in dieser ihrer begrenzten Anzahl unter sich in ihrem Verhältnis durchsichtig. Im 1. Buch der »Physik«, Kap. 2 sqq, zeigt Aristoteles, daß es mehr als eine ἀρχή geben muß, daß aber die ἀρχαί ihrer Anzahl nach durch eine Grenze, πέρας, bestimmt sind. Daher muß in einem όρίζεσθαι ausgegrenzt werden, wieviele sie sind, ob zwei oder drei usw. ... Aristoteles zeigt, warum es nicht mehr als drei bzw. vier geben kann. Und nur deshalb, weil die ἀρχαί begrenzt sind, ist eine Bestimmung des Seienden in seinem Sein, ist das Ansprechen des Seienden als όρίζεσθαι und ορισμός und damit Wissenschaft als endgültige Erkenntnis möglich und gewährleistet.
Die Strenge der Wissenschaft illustriert Aristoteles an der μαθηματική, an der ἀριθμητική und der γεωμετρία (982a28). Diejenigen Disziplinen sind die strengeren, gründlicheren, die aus wenigeren ἀρχαί hervorgehen, die also in dem Seienden, das sie zum Thema haben, weniger ursprüngliche Bestimmungen ansetzen, αἱ γὰρ ἐξ ἐλαττόνων ἀκριβέστεραι τῶν ἐκ προσθέσεως λεγομένων, οἷον ἀριθμητικὴ γεωμετρίας (982a26 sq).
2 Vgl. S.39.