109
§ IS. Orientierung über das ffesen der Mathematik


« Vgl. S. 105.

Zusammengefaßt kann ein erstes Verständnis des Ortsbegriffes gewonnen werden, wenn man sich daran hält, daß der Ort eine δύναμις hat: Εχει τινὰ δύναμιν4. Der Ort ist die Möglichkeit der rechten Hingehörigkeit eines Seienden Die rechte Hingehörigkeit besagt dasjenige Anwesendsein, das dem Seienden als solchem gemäß seiner sachlichen Verfassung zukommt. Dem Feuer kommt es zu, oben zu sein, der Krde unten. Das Seiende der Welt als »Natur« im weiten Sinne hat seinen Platz. Der Platz gehört je zum Seienden selbst und macht die Möglichkeit der eigentlichen Anwesenheit des Seienden aus, dort, wo es hingehört. Diese Möglichkeit ist nicht gemeint als leere begriffliche — logische — Möglichkeit, als Beliebigkeit, so daß es dem Körper freigestellt wäre, da oder dort zu sein, sondern die δύναμις ist eine Möglichkeit, die eine bestimmt vorgezeichnete ist, die immer eine Direktion in sich trägt. Dieses Bestimmtsein der δύναμις gehört zum τόπος selbst. Die δύναμις ist als ontologische Grundkategorie verstanden. Die Möglichkeit ist selbst seiend. Der Ort ist das zum Seienden gehörige, sein Sein mit ausmachende Anwesendseinkönnen. Der Ort ist das Dortseinkönneη eines Seienden, dergestalt, daß es, dortseiend, eigentlich da ist.


β) Die Genesis von Geometrie und Arithmetik im Ausgang

vom τόπος.

Die Gewinnung der geometrischen Gegenstände durch die Heraushebung der πέρατα (τόπος) der φύσει ὄντα. Ihre Lagebestimmtheit (θέσις). Analysis situs. μονάς: οὐσία δθετος

Den Unterschied von τόπος und θέσις machen die geometrischen Gegenstände klar. Wenn man von der eigentümlichen Seinsart des τόπος, die φύσει bestimmt ist, absieht und lediglich die Mannigfaltigkeit der möglichen Lagen, die Orientie-


Martin Heidegger (GA 19) Platon Sophistes

GA 19