αα) Die Phänomene des Miteinanderseins der φύσει ὄντα
(Phys. V,3)
1. Als erstes Phänomen des Seins mit oder zu einem anderen, und zwar innerhalb der φύσει ὄντα, bezeichnet Aristoteles das αμα, »zugleich«, das hier nicht in zeitlichem Sinne zu verstehen ist, sondern den Ort betrifft. Das ist zugleich, was an einem Orte ist. Wir müssen uns hüten, diese Bestimmungen für selbstverständlich und primitiv zu halten. Der fundamentale Wert dieser Analysen liegt darin, daß Aristoteles gegenüber irgendwelchen theoretischen Konstruktionen ausgegangen ist von dem, was man zunächst sieht δμα ist also das, was an einem Ort ist.
2. χωρίς, »getrennt«, ist das, was an einem anderen Ort ist. Dabei ist die Bestimmung des Ortes festzuhalten.
3. άπτεσθαι, das »sich Berühren« — das erste Moment kehrt wieder ώντά Ακρα αμα (226a23), »ist bei demjenigen, dessen Enden, Spitzen, an einem Ort sind«, dessen Enden den selben Ort einnehmen.
4. μεταξύ, das »Zwischen«, ist dasjenige: είς δ πέφυκε πρότερον άφικνεΐσθαι τδ μεταβάλλον (226b23 sq), »in welches das, was umschlägt, seinem Sein nach zuerst, vorher kommen kann«; es ist dasjenige, was etwas, sofern es umschlägt, durchläuft, wohinein es umschlägt, bevor es zu einem έσχατον in stetigem Umschlagen gekommen ist7. Eine ungefähre Vorstellung
7 μεταξύ 6ε είς θ κεφυκε κροτερον άφικνεΐσθαι ιό μεταβάλλον f| είς Ö εαχαιον μεταβάλλει καιά φύοινουνεχώς μεταβάλλον (226b23 sqq). »Das Zwischen ist, wohin das sich Bewegende von Natur aus früher kommt als in das, wohinein es als letztes kommt, wenn es sich naturgemäß, kontinuierlich bewegt«. Strittig ist 226b24 κράτερον. κράτερον findet sich in der Parallelstelle Met.XI, 1068b28 sowie »Themistii in Physica paraphrasis« 172. In den »Codices« sowie »Simplicii in Physicorum tibros commentaria« 871, 20 findet sich κρώτον. Heidegger scheint beide Versionen vorgetragen zu haben. H. WeiO bemerkt in einer Fußnote (von Hg. ausformuliert): »Im Text bei Bekker [Aristolelis opera edidit Academia Regio Borussica (ex recensione I. Bekkeri). Berlin 1831-1870] steht κρώτον. κροτερον ist wohl eine Konjektur. Wenn man jedoch κρώτον setzt, so ist b24 f| είς δ εσχατον μεταβάλλει nicht zu verstehen. Das ἡ (›als‹) muß bezogen sein auf das πρότερον (›früher‹): πρότερον-Α (›früher-als‹)«. Eine ähnliche Anmerkung findet sich in der Ns. von H.Jonas. Also ergibt sich: »Das Zwischen ist das, wohin das, was umschlägt, früher kommt als in das, wohinein es als äußerstes umschlägt«. Auch in der lateinischen Übersetzung der Bekker-Ausgabe steht: prius-quam.