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§22. Die ευβουλία ah Vcillzugsart der φρόνησις

bestimmten Verwendungsmöglichkeit sein, so dafl ich in der Orientierung auf das, was ich in der Handlung will, frei über sie verfügen kann.

4. jede Handlung vollzieht sich zu einer bestimmten Zeit (δτε), und schließlich

5. sofern das Dasein als M^tejnandersein bestimmt ist, gegenüber einem oder anderen bestimmten Menschen.

So ist das Dasein als jeweiliges, jetzt handelndes, durch seine Lage im weitesten Sinne bestimmt. Diese I Age ist je eine andere. Die Umstände, die Gegebenheiten, die Zeiten, die Menschen wechseln. Es wechselt der Sinn der Handlung selbst, das, was ich je gerade will.

Dieser ganze Zusammenhang des handelnden Daseins in seiner jeweiligen vollen Lage soll durch die φρόνησις aufgedeckt werden. Das Dasein als jetzt handelndes in seiner vollen Lage, in der gehandelt werden soll und in der es je anders ist, in seiner Jeweiligkeit aufzudecken, dies eben ist Leistung der φρονησις. Die φρόνησις ist aber nicht so etwas wie eine Betrachtung der Lage und Handlung, sie ist keine Bestandsaufnahme im Sinne einer »interesselosen« Feststellung, kein Studium der Situation, in der ich mich befinde. Auch das Moment des Interesses trifft nicht den Sinn der φρόνησις. Sondern das Durchsprechen gehört selbst mit zur vollen Handlung Von der ἀρχή her, von dem, was ich will, von dem, wozu ich mich entschließe, bis zur vollendeten Handlung selbst gehört die φρόνησις mit zur Handlung dazu In jedem Schritt der Handlung ist die φρόνησις mit konstitutiv. Das heißt also: In der φρόνησις muß die Handlung von ihrer ἀρχή her bis zu ihrem τέλος .durchsichtig gemacht werden. Denn die Handlung ist ein Seiendes, das jeweilig anders sein kann; entsprechend ist die φρόνησις mit dabei, so daß sie die πρᾶξις selbst mit ausmacht.

Die ἀρχή der Handlung ist das ού ένεκα, das Worumwillen; dieses ού ένεκα ist im Einsatz der Handlung das προαιρετόν, das, was ich in der Wahl vorwegnehme. Das und das soll jetzt für den und den Menschen von mir aus so und so geschehen. In dieser


Martin Heidegger (GA 19) Platon Sophistes

GA 19