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§ 22. Die ευβουλία aU Vollzugsart der φρονησις

Umgekehrt besteht die Möglichkeit, daß zwar das τέλος ein echtes ἀγαθόν ist, daß aber das Überlegen unangemessen ist, daß der συλλογισμός ψευδής ist, ein solcher, in dem ich mich täusche, άλλ' ἔστιν καὶ τούτου ψευδει συλλογισμφ τυχεϊν, καὶ δ μέν δει ποιήσαι τυχεϊν, δι* οὗ δέ ού, ἀλλά ψευδή τόν μέσον δρον εἶναι' ώστε ούδ᾽ αύτη πω ευβουλία, καθ᾽ ήν οὗ δει μέν τυγχάνει, ού μέντοι δι* οὗ έδει (b22 sqq). Es ist also möglich, daß der συλλογισμός bzw. der μέσος δρος ψευδής ist, daß er die Umstände, die Mittel und Wege verstellt, daß er sie mir nicht so gibt, wie sie in bezug auf das προαιρετόν sein sollten. Demnach gehört zur ευβουλία, daß sie nicht nur das τέλος als ἀγαθόν ansetzt, sondern in jedem ihrer Schritte ἀγαθόν ist. In jedem Schritt muß die ευβουλία so ausgerichtet sein, daß sie das ἀγαθόν im Blick hat und alle Umstände und Gelegenheiten daraufhin bespricht. Nur als αγαθού τευκτική kommt die όρθότης der ευβουλία in Frage, ἡ γὰρ τοιαύτη όρθότης βουλής ευβουλία, ἡ αγαθού τευκτική (b21 sq). — Auch die Zeit als solche, ob einer lang oder kurz überlegt, ist kein auszeichnender Charakter der όρθότης der ευβουλία; es kommt vor allem darauf an, daß die Zeit der Handlung selbst ein ἀγαθόν ist. — Sofern die όρθότης ευβουλίας in jedem ihrer Schritte αγαθού τευκτική ist, ist sie όρθότης ἡ κατά τό ώφέλιμον, καὶ οὗ δεϊ καὶώςκαὶδτε (b27 sq). Sie ist die Richtigkeit im Hinblick auf das, was für die Durchführung des προαιρετόν ἀγαθόν in Frage kommt, und dieses wird näher bestimmt als 1. οὗ δεϊ, 2. ώς, 3. δτε, als das, wessen es bedarf, wie es verwendet wird und wann. Alle diese Momente müssen den Charakter des ἀγαθόν haben. — έτι έσην καὶ ἀπλῶς εύ βεβουλεϋσθαι καὶ πρὸς τί τέλος, ἡ μέν δή απλώς ἡ πρὸς τό τέλος τό απλώς κατορθούσα, τις δέ ἡ πρὸς τϊ τέλος (b28 sq). Die ευβουλία selbst kann sich vollziehen entweder als ein Durchsprechen, das auf das ἀγαθόν schlechthin bezogen ist, oder auch als ein Durchsprechen, das προς τϊ τέλος ist, auf ein bestimmtes τέλος bezogen ist, auf ein τέλος also, das wieder πρὸς τι, auf ein anderes bezogen ist.

Abschließend bestimmt Aristoteles die ευβουλία so: εΐ δή τῶν φρονίμων τό εύ βεβουλεϋσθαι, ἡ ευβουλία εϊη &ν όρθότης ἡ κατά τό


Martin Heidegger (GA 19) Platon Sophistes

GA 19