] 62 Frage nach dem Vorrang von φρόνησις oder σοφία
nicht über das τέλος, sondern das τέλος ist Gegenstand des Beschlusses. Gegenstand des Oberlegens ist das συμφέρον πρὸς το τέλος, das, was für das rechte Zu-Ende-Bringen dessen, was beschlossen ist, in Krage kommt, βουλευόμεθα δ᾽ οὗ περί τῶν τελών ἀλλά περί τῶν πρὸς τά τέλη. ούτε γὰρ Ιατρός βουλεύεται εΐ ύγιάσει, ούτε ρήτωρ εΐ πείσει, ούτε πολιτικός εΐ εύνομίαν ποιήσει, ουδέ τῶν λοιπών ουδείς περί τοΰ τέλους (b11 sqq). Der Arzt überlegt nicht, ob er heilen soll, sondern das liegt im Sinn seiner Existenz selbst, dafür hat er sich als Arzt entschlossen. Ebensowenig überlegt der Rhetor, ob er überzeugen soll; denn auch das liegt im Sinn seiner Existenz, ἀλλά θέμενοι τέλος τι πώς καὶ διά τίνων έσται σκοποΰσιν (b15 sq). Das τέλος ist also ein τέλος τεθέν, das Ende ist gesetzt und festgemacht. Auf dieses sehen sie in ihrem Uberlegen nicht; sondern worauf sie sehen, das ist das πώς καὶ διά τίνων, das Wie und Durch-welche-Mittel-und-Wege. Und sie sehen sich jeweils in der konkreten Lage ihres Handelns solange um, έως άν έλθωσιν έπΙ τό πρώτον αίτιον, δ έν τῇ εύρέσει έσχατον εστίν (b18 sqq), bis sie im Durch betrachten stoßen auf das erste αἴτιον, von wo aus sie eingreifen können, das im Auffinden der gesamten Tatbestände das Äußerste der Überlegung ist. ό γὰρ βουλευόμενος Εοικεν ζητεΐν καὶ άναλύειν τόν είρημένον τρόπον ώσπερ διάγραμμα [...], καὶ τό έσχατον έν τῇ αναλύσει πρώτον εἶναι έν τῇ γενέσει (b20 sqq). Das έσχατον der ἀνάλυσις ist das erste, bei dem die ποίησις, d.h. das eigentliche Werden ansetzt. Diese Stelle in der »Nikomachischen Ethik« ist deshalb von Wichtigkeit, weil Aristoteles hier nicht von der ποίησις, sondern ausdrücklich von der πρᾶξις im engeren Sinne spricht5.
Diese αἴσθησις, bei der das Überlegen zum Stillstand kommt, ist eine ausgezeichnete. Sie unterscheidet sich von der αἴσθησις in der Mathematik, άλλ' αύτη μάλλον αἴσθησις ἡ φρόνησις, εκείνης δέ άλλο εἶδος (Eth. Nic. VI, 9; 1142a29 sq). Die geometrische αἴσθησις, in der ich das letzte Gestaltelement, das
5 Im Unterschied zu den entsprechenden Analysen der κοίησις Met. VII,7; 1032b sqq. Vgl. S. 157ff