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Frage nach dem Vorrang, von φρόνησις oder σοφία

§25. Der Vorrang der σοφία aus dem Hinblick auf die εὐδαιμονία

(Eth. Nic. X,6-7)


a) Die Idee der εὐδαιμονία. (Eth. Nic. X,6)

Der ontologische Sinn der εὐδαιμονία als vollendetes Sein der

ψυχή


Aristoteles faßt die εὐδαιμονία streng ontologisch als τέλος. Dieser ontologische Sinn der εὐδαιμονία ist festzuhalten, λοιπόν περί εὐδαιμονίας τοπω διελθεΐν, επειδή τέλος αὑτήν τίθεμεν τῶν ανθρωπίνων (1176a31 sqq). »Von dem, was das menschliche Sein betrifft, setzen wir als. das, was dessen Fertigsein ausmacht,, die εὐδαιμονία an«. Sie maeht dje_Eigentlichkeit des J5eins des menschlichen Daseins aus. Dies besagt nichts anderes als Anwesendsein, reines Gegenwärtigsein bei dem, was immer ist Nun aber kann die εὐδαιμονία, sofern sie vollständig das Sein ausmacht, nicht eine bloße ἕξις sein, d.h. eine bloße Möglichkeit, über die man verfügt, bei der aber die Gelegenheit fehlt, sie zu verwirklichen. Denn dann könnte sie auch einem zukommen, der das ganze Leben verschläft, der ein Leben der Pflanze lebt. Anders gesagt: Sie kann nicht eine beliebige Eigenschaft sein, die zuweilen wacht und zuweilen schläft. Sondern die εὐδαιμονία, sofern sie das Sein des Menschen als ein Fertigsein, als das Eigentlichsein der höchsten Seinsmöglichkeiten betrifft, muß ein Sein des Menschen sein, das jeden Augenblick, ständig, das ist, WEIS es ist. Sie betrifft nicht ein bloßes Seinkönnen, sondern dieses Seinkönnen in seiner Gegenwart, ενέργεια, μάλλον είς ένέργειάν τινα θετέον (1176bl). Demnach muß die εὐδαιμονία ab das eigentliche Sein in die ενέργεια versetzt werden, ενέργεια besagt nichts anderes als Anwesenheit, reines unmittelbares Vorhandensein, τῶν δ᾽ ενεργειών αΐ μέν είσιν άναγκαϊαι καὶ δι" έτερα αΙρεταΙ αΐ δέ καθ᾽ αύτάς (b2 sq). »Von den ἐνέργειαι sind die einen δι* έτερα, wegen anderem, auf anderes hin orientiert, die anderen καθ᾽ αύτάς αίρεταί, an ihnen selbst ergreifbar«, καθ᾽ αύτάς δ᾽ dolv αίρεταί άφ' ὧν μηδέν επιζητείται παρά

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