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§ 26. Reichweite und Grenze des λόγος

in der εὐδαιμονία, sofern es schlechthin vorhanden ist hinsichtlich der Seinsmöglichkeit, die in ihm die höchste ist. Diese höchste Seinsmöglichkeit eines Lebenden, genannt Mensch, ist der νοῦς. Das νοεῖν als ενέργεια θεωρετική genügt am meisten der ενέργεια des Lebenden, dessen reinem Anwesendsein schlechthin. Insofern genügt das νοεῖν am eigentlichsten der εὐδαιμονία. Darin also besteht das menschliche Leben in der Eigentlichkeit seines Seins. Diese Eigentlichkeit ist radikal ontologisch gefaßt, dergestalt, daß sie als solche die ontologische Bedingung der faktischen, konkreten Existenz des Menschen ist.

Wir müssen uns noch darüber klar werden, in welchem Verhältnis der νοῦς zum λόγος steht.


§ 26. Reichweite und Grenze des λόγος

a) λόγος und νοῦς.

νοεῖν und διανοεῖν. Das Erfassen der πρώτα und Εσχατα durch

das νοεῖν

Derjvof^jist die höchste Bestimmung des Menschen, so daß er sogar als das Göttliche gefaßt werden muß; das Leben im νοῦς ist ein θείον (b30 sq). Jedoch bewegt sich das menschliche Verhalten zumeist und vor allem zunächst njcht im reinen νοεῖν,, sondern im διανοεῖν. Weil das Sein des Menschen bestimmt ist als ζώον λόγον ἔχον, weil der Mensch spricht, die Dinge, die er sieht, bespricht, ist das reine Vernehmen immer ein Durchsprechen. Das reine νοεῖν vollzieht sich als τιγεϊν1. Das νοεῖν aber, das sich innerhalb eines Seienden vollzieht, das den λόγος hat, ist ein διανοεῖν. So besteht eine διαφορά zwischen dem reinen νοῦς und dem νοῦς σύνθετος (vgl. b28 sq): der νοῦς



1 Mei. IX, 10-, 1051b24.


Martin Heidegger (GA 19) Platon Sophistes