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§ 26 Reichweite und Grenze des λόγος

b) λόγος und ἀλήθεια


α) λόγος σημαντικός (Rede) und λόγος άποφαντικός (»Urteil«)

(De Int. cap.4; De An. 11,8)


Nicht also gehört es zum λόγος, wahr zu sein, Seiendes aufzudecken, ἀληθεύειν. Nicht jeder λόγος ist άποφαντικός. Wohl aber ist jeder λόγος σημαντικός. Aristoteles handelt darüber in »De Interpretatione«, Kap.4: Εστι δέ λόγος άπας μέν σημαντικός, [...] άποφαντικός δέ ού πας, άλλ' έν φ τό ἀληθεύειν ἡ ψεύδεοθαι υπάρχει (16b33 sqq). Jede Rede ist als Rede σημαντική; σημαίνειν heißt: bedeuten; jede Rede also bedeutet etwas, sie ist verständlich. Jede Rede hat in sich eine ἑρμηνεία, eine Verständlichkeit, wie Aristoteles in »De Anima« zeigt4. Aber in dieser Weise etwas zu bedeuten und zugleich in diesem Bedeuten die bedeutete Sache sehen zu lassen, άποφαΐνεσθαι, das ist nicht bei jeder Rede der Fall. Sondern eine Rede, die ihrem Sinn nach σημαντική ist, wird nur dadurch άποφαντική, daß in ihr vorhanden ist das Aufdecken, ἀληθεύειν, oder das Verstellen, ψεύδεσθαι. Denn nicht nur das Aufdecken, sondern auch das Verstellen ist ein Sehenlassen, wenngleich das Aufdecken das eigentliche Sehenlassen ist Nicht in jeder Rede ist also das ἀληθεύειν oder das ψεύδεσθαι vorhanden. Deshalb ist die Rede ihrem Sinne nach zunächst weder wahr noch falsch, ούκ έν απασι δέ υπάρχει, οίον ἡ εὐχή λόγος μέν, άλλ' ούτ' αληθής ούτε φευδής (17a3 sq). Eine Bitte z.B. ist weder wahr noch falsch. Das muß in griechischem Sinne verstanden werden: eine Bitte hat als Bitte zunächst nicht den Sinn, etwas, um was ich bitte, sehen zu lassen. Aristoteles weist darauf hin, daß die Mannigfaltigkeit von Reden, die zwar verständlich sind, die etwas mitteilen und orientieren, aber dp_ch nichts sehen lassen, in die Rhetorik und Poetik gehören, ρητορικής γὰρ ἡ ποιητικής οίκειοτέρα ἡ σκέψις, — ό δέ άποφαντικός


4 De An.II,8; 420b5 sqq. Vgl. S. 18f.

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