185
§ 26. Reichweite und Grenze des λόγος

rakter der διαίρεσις. σύνθεσις und διαίρεσις sind ursprüngliche Strukturen, die als fundierende vor der κατάφαοις und der ἀπόφασις liegen. έτι πᾶν το διανοητών καὶ νοητόν ἡ διάνοια ἡ κατάφησιν ἡ άπόψησιν' [...] δταν μέν ώδΐ συνθή φάσα ἡ άποφασα, αληθεύει, δταν δέ ώδί, ψεύδεται (Met. IV, 7; 10l2a2 sqq). »Alles, was Thema eines Durchvermeinens und Vermeinens ist, meint, vernimmt das Denken in der Weise des Zu- oder Absprechens. Wenn es das Vermeinte so, zu- oder absprechend, in eins setzt, — d.h. als νοῦς setzt und vermeint — und darin eben wird deutlich, daß κατάφασις und άπόφααις hineingeordnet werden in die σύνθεσις -. dann ist das Denken wahr, dann deckt es auf wenn so, dann ist es falsch, dann verstellt es«. Diese Stelle ist herangezogen, um einem landläufigen Irrtum in der Logik und in der Interpretation des Aristoteles zu begegnen. Man meint: Zu-sprechen sei σύνθεσις, Verbinden, Ab-sprechen sei διαίρεσις, Trennen. Jedoch springt aus der obigen Stelle heraus, daß beide, κατάφασις und ἀπόφασις, zu- und absprechendes Sehenlassen, σύνθεοις sind. Und das gilt nicht nur, wenn κατάφασις und ἀπόφασις wahr, sondern auch, wenn sie falsch sind, το γὰρ ψεύδος έν συνθέσει ἀεί. καὶ γὰρ ὂν τό λευκόν μή λευκόν, τό μή λευκόν συνέθηκεν (De An. ΙΠ,6; 430bl sqq). Das Falsche gibt es immer nur da, wo eine σύνθεσις ist. Denn auch wenn ich das Weiße als nicht-weiß anspreche, ist das Nicht-weiß mit dem Weiß in eins gesetzt. Alles Zu- und Absprechen, ob wahr oder falsch, ist also vorgängig eine σύνθεσις.

Aber umgekehrt ist auch beides. Ab- und Zw-sprechen, κατάφασις und ἀπόφασις, zu- und absprechendes Sehenlassen, vorgängig eine διαίρεσις. Das sagt Aristoteles mit Bezug auf das ψεύδος im Fortgang der zitierten Stelle von »De Anima«: ἐνδέχεται δέ καὶ διαίρεσιν φάναι πάντα (b3 sq). Das Zu- und Absprechen ist ebenso als διαίρεσις, Auseinandernehmen, zu interpretieren. Das Auseinandernehmen ist ja eine Vollzugsart des Vernehmens, des νοείν, d.h des Im-Blick-Haltens des ὄν, des Ganzen; es ist ein aufbewahrendes Sehenlassen des Ganzen, ein Das-eine-mit-dem-anderen-Setzen.

GA 19