187
§ 26. Reichweile und Grenze des λόγος

in gewisser Wehe ein Charakter des Seins des Seienden selbst ht Daher spricht Aristoteles von einem ον ώς ἀληθές, vom Seienden, sofern es unverborgen ist, und entsprechend von einem μὴ ὄν ώς ψεϋδος, und zwar im Zusammenhang mit einer grundsätzlichen Feststellung der ontologischen Forschung durch die Unterscheidung der verschiedenen Hinsichten, in denen von Sein gesprochen werden kann. Diese sind 1. das ὂν der Kategorien 2. das ὂν κατά αυμβεβηκός 3. das ὂν δυνάμει und ενεργεία 4. das ὄν ὡς ἀληθής7. Hier tritt das Phänomen des ἀληθές auf im Zusammenhang mit der Frage nach den Grundbestimmungen des Seienden selbst. Trotzdem sagt Aristoteles, daß dieses ονώς ἀληθές nicht eigentlich in das Thema der Ontologie falle, sofern der Charakter des ἀληθές nicht etwas hergibt vom Seienden, das ihm als solchem zukommt, sondern nur, sofern es da ist, sofern es begegnet für ein auf-deckendes Vermeinen8. Es ist aber verkehrt, zu meinen, daß dieses ὄν ώς ἀληθές so etwas besage wie das Wahrsein im Sinne der Geltung des Urteils, weil Aristoteles das ὄν ώς ἀληθές von der ontologischen Betrachtung ausschließe. Davon ist nicht die Rede. Das ονώς ἀληθές ist nicht ein Sein, das zufolge eines bloß faktisch geschehenden Denkvorgangs angenommen wird. Es ist vielmehr das Sein desselben Seienden, von dem auch die Kategorien Seinsbestimmungen sind. Nur verhält es sich mit den Kategorien so, daß sie zum Seienden selbst als Seiendem gehören, während das ἀληθές nur insofern ein Charakter des Seins des Seienden ist, als es da und präsent ht für ein Erfassen Es ist also hier gar nicht die Rede von einem logischen Sein, von der Gültigkeit oder Ungültigkeit des Urteils. Das ὄν ὡς ἀληθής ist vielmehr dasselbe Seiende, das auch in der Ontologie Thema ist: das Seiende der Welt. Bei näherem Zusehen werden wir darauf stoßen, daß Aristoteles auch diesen Charakter,



7 Met. VI, 2; 1026a33 sqq.

8 Met. VI, 4; 1027b25 sqq.

GA 19