ÜBERLEITUNG1


DIE FIXIERUNG DES THEMATISCHEN FELDES IM
AUSGANG VOM ΑΛΗΘΕΥΕΙΝ


§ 27. Das bisher Geleistete und die weitere Aufgabe. Das Geleistete: die Gewinnung der Zugangsart (= ἀληθεύειν). Die Aufgabe: Fixierung des Themas im Ausgang vom ἀληθεύειν bei Plato (= διαλέγεσθαι). Erste Anzeige des Themas: Die Revolution des Seinsbegriffs; das Sein des Nicht-Seienden (= ψεϋδος)


Was wir bisher betrachteten, hatte den Sinn einer Vorbereitung für das Verständnis eines platonischen wissenschaftlichen Dialogs. Ich betone ausdrücklich: eines wissenschaftlichen Dialogs, um anzudeuten, daß nicht alle platonischen Dialoge diese Höhe der wissenschaftlichen Betrachtung in sich tragen, obzwar alle in gewisser Weise auf Erkenntnis abzielen. Es gibt kein wissenschaftliches Verständnis, d h. historisches Zurückgehen zu Plato ohne Durchgehen durch Aristoteles. Aristoteles sperrt zunächst gleichsam jeden Zugang zu Plato. Das ist eine Selbstverständlichkeit, wenn wir uns darauf besinnen, daß wir immer aus dem Späteren kommen und als Spätere rückwärtsgehen zu den Früheren und daß es auf dem Felde grundsätzlicher philosophischer Betrachtung keine Beliebigkeit gibt.


1 Portsetzung der Vorlesung nach der Weihnachtspause 1924/25. In der Hs. Heideggers finden sich die Titel: »W. Einl.« (= Wiederholung, Einleitung) und »Überleitung«.

Von hier ab liegen der Ausgabe nicht nur, wie bisher, die handschriftlichen Notizen Heideggers sowie die Kollegnotizen von H.Jonas, F.Schalk und H. Weiß zugrunde, sondern darüber hinaus die maschinenschriftliche Abschrift der stenographischen Mitschrift von S.Moser, die erst nach der Weihnachtspause einsetzt. Diese wurde von Heidegger durchgesehen, autorisiert und mit Randbemerkungen versehen, die im Folgenden gesondert als Anmerkungen (= Rb. Hs.) angeführt werden.

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