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Fixierung des thematischen Feldes

Aristoteles konnte also die Dialektik gar nicht herabziehen, weil sie für ihn ihrem Sinne nach schon unten, d.h. eine Vorstufe des θεωρεῖν ist und als Vorstufe nicht irgendein scharfsinniges Operieren und Denken, sondern ihrem Sinne nach immer schon ein Sehenizwi&n, sofern der λόγος eben den Sinn des άποραίνεοθαι hat, des Sehenlassens. Die Dialektik ist keine Überredungskunst, sondern sie hat gerade umgekehrt den Sinn, den Mitunterredner zum Sehen zu bringen und ihm die Augen zu öffnen.

Die schärfere Bestimmung des διαλέγεσθαι, wie sie bei Aristoteles vorliegt und die wir an der Interpretation des Aristoteles selbst gewonnen haben, wollen wir uns kurz vergegenwärtigen, um zugleich die gegebene Interpretation des διαλέγεσθαι und der Dialektik zu bewähren. Wir fragen: bei welchen Gelegenheiten und in welchen Zusammenhängen spricht Aristoteles von Dialektik? Diese Betrachtung der Dialektik bei Aristoteles dient zugleich der Zusammenfassung der Vorbereitung auf die Dialoginterpretation. Mit dieser Betrachtung der Dialektik bei Aristoteles kommen wir also endgültig zum Dialog selbst, so daß wir die gekennzeichnete Folge der Schritte des Betrachtens festhalten müssen, und zwar so, daß wir zugleich das Thema im Blick behalten, das in" diesem διαλέγεσθαι zur Sprache kommt7.

In der bisherigen Erörterung, im Zusammenhang der Betrachtung des ἀληθεύειν sowohl wie des νοεῖν im engeren Sinne, ist uns der Ausdruck λόγος in verschiedenen Bedeutungen begegnet. Wenn die Interpretation des λόγος als Ansprechen von etwas und als Besprechen von etwas als etwas Grund hat, dann muß diese Interpretation des λόγος und seiner Grundbedeutung auch die Wurzel sein, von der aus die übrigen abgeleiteten

' s. Anhang zu S. 199.

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