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Fixierung des thematischen Feldes

grundsätzliche Schwierigkeiten, die auf dieser Position nicht zu beheben sind, die für uns da sind3. Also nicht nur die begegnende Welt, sondern auch die Welt, sofern sie angesprochen ist, ist in diesem doppelten Sinn als Leitfaden der Seinsforschung gegeben.


b) Der λόγος als Leitfaden der Seinsforschung bei Aristoteles (»Onto-logie«)


Der λόγος also, das Besprechen der Welt und des Seienden^hat die Rolle des Leitfadens, sofern im λεγόμενον das Seiende da ist. Auch da, wo die Seinsforschung, wie bei Aristoteles, über die Dialektik, über das Verhaftet-Bleiben am angesprochenen Seienden, hinaus kommt, zum reinen Erfassen der ἀρχαί, zum θεωρεῖν, — auch da läßt sich zeigen, daß der λόγος noch fundamental ist für die endgültige Fassung des Seins. Auch Aristoteles, obzwar er die Dialektik überwindet, bleibt doch bei seiner ganzen Fragestellung nach dem Sein am λόγος orientiert. Dieser Tatbestand ist der Ursprung dessen, was man heute als formale Ontologie bezeichnet, und in diese aufgegangen. Das διαλέγεσθαι ist eine Art, über das Seiende hinsichtlich seines Seins zu fragen, in der der λόγος Leitfaden ist und bleibt. Für Aristoteles aber zeigt sich der λόγος in seiner eigentümlichen Beziehungsstruktur: das λέγειν ist immer ein λέγειν τι κατά τίνος. Sofern der λόγος etwas als etwas anspricht, ist er grundsätzlich ungeeignet, das zu erfassen, was seinem Sinne nach nicht mehr als etwas anderes angesprochen werden kann, sondern nur an ihm selbst zu erfassen ist. Hier versagt gleichsam der λόγος in dieser nächsten und vorherrschenden Struktur. Es bleibt, wenn man über ihn hinausgeht, nur eine neue Idee des λόγος: Der λόγος καθ'αὐτό, wie dies Aristoteles Met. VII, cap. 4 gezeigt hat. [143]


Auf Grund dieser schärferen Einsicht in die Struktur des λόγος gelingt es Aristoteles, die platonische Dialektik selbst in


3 s. Anhang.

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