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Fixierung des thematischen Feldes

»Topik« sagt, κατά το πράγμα4, »im Hinblick auf die Sachen«, während es dem Sophisten auf die Sachlichkeit der Rede nicht ankommt, sondern lediglich auf das εύ, schön und glänzend und in scheinbar echter Beweisart zu argumentieren und zu diskutieren5.

Im Zusammenhang mit der Dialektik haben wir zugleich Anlaß genommen, etwas über die Sophistik auszumachen, und sie schon wenigstens formal zu charakterisieren. Diese erste Charakteristik ist jetzt fortzusetzen.


§ 31. Erste Charakteristik der Sophistik6. Fortsetzung


a) Die Idee der παιδεία, in der Sophistik und bei Aristoteles, εύ λέγειν. Un-sachlichkeit und Sachlichkeit. Vorzeichnung des ἀληθεύειν als Boden der Sophistik


Es ist zu beachten, daß Plato nur den einfachen Unterschied zwischen Dialektik und Sophistik kennt, während bei Aristoteles durch schärfere Fassung des Sinnes des Dialektischen und der Dialektik selbst eine dreifache Gliederung herausspringt.: Philosophie, Dialektik, Sophistik. Aristoteles unterscheidet hinsichtlich der Tragweite Dialektik und Philosophie; und beide gegenüber der Sophistik hinsichtlich der Art, in der sich der Sophist einerseits sowie der Philosoph bzw. Dialektiker andererseits mit ihrer Sache sich abgeben. Gegenüber dem Sophisten sind der. Dialektiker, und der Philosoph |dadurch bestimmt, daß es ihnen mit dem, worüber sie sprechen, ernst ist, daß sie in ihrem Reden die Absicht haben, das, worüber sie reden, sachlich zum Verständnis zu bringen, während der Sophist nicht auf den Gehalt der Rede achtet, sondern lediglich auf die


4 Soph. Widerlegungen I, 11; 171b6.

5 s. Anhang.

6 Überschrift in der Hs. Heideggers.

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